<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
  <channel>
    <title>GeniusLoci &amp;mdash; Zettelwerk</title>
    <link>https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci</link>
    <description>Notizen eines Fiktionauten.</description>
    <pubDate>Mon, 27 Apr 2026 06:57:29 +0000</pubDate>
    <image>
      <url>https://i.snap.as/aM4jw2DK.jpg</url>
      <title>GeniusLoci &amp;mdash; Zettelwerk</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci</link>
    </image>
    <item>
      <title>026 Der Körper der kleinen Sainte Foy</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/der-korper-der-kleinen-sainte-foy?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Die Kirche in Rosureux ist der Heiligen Fides von Agen (Sainte Foy) geweiht. Ich betrete die Kirche und mache einen skurrilen Fund.&#xA;&#xA;Man möchte meinen, dass die Kirche auf dem kleinen, zentralen Platz in Rosureux schon über Jahrhunderte ihren Platz behauptet hätte, so archaisch erscheint die Architektur des gesamten Ortes. Ein steinernes Zeugnis sei die Kirche für den längst verschwundenen Glauben der Bevölkerung, für seinen Aberglauben an die Wundertätigkeit eines kleinen Mädchens aus Aquitanien.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Doch wir täuschen uns und die Chronik des Ortes belehrt uns eines Besseren. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1779, davor stand hier eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, der Glockenturm wurde einige Jahre später, im Jahr 1781, errichtet. Dann aber zerstörten zwei Brände, nämlich 1834 und 1952 die Kirche völlig, sodass sie jeweils zwei Jahre später im ursprünglichen Stil wieder aufgebaut werden musste. Die Kirche ist also nicht viel älter als der Verfasser dieser Zeilen, was eine Art Verbindung zwischen beiden schmiedet. Jung also, und alt zugleich: eine Lebensbegleiterin an entlegener, bislang unbekannter Stelle: im Herzen eines tief eingeschnittenen Tales mitten in der grünen Wildnis des Jura. Aufgrund der den Dingen innewohnenden Einfachheit wirkt hier alles älter, traditioneller, ursprünglicher. Sind wir zur Einfachheit des Lebens zuückgekehrt?&#xA;&#xA;Dennoch widerfährt dem Besucher beim Betreten der Kirche etwas, was zunächst ehrfürchtiges Schaudern, dann aber so etwas historische Differenz hervorruft. Im Inneren der sehr einfach gehaltenen Kirche von Rosuraux findet sich ein kleiner gläserner Kasten, in der die Gestalt der Heiligen Fides von Agen aufgebahrt liegt. Ein Reliquiar in Form eines Sarges. Die Kirche ist ihr geweiht, vor dem Gotteshaus befindet sich ein gemauerter Brunnen, der in seiner Mitte eine Steinskulptur der Heiligen trägt. Die aufgebahrte Heilige im Inneren der Kirche aber fesselt meine Aufmerksamkeit, spekuliert sie doch mit dem morbiden Charme eines toten Kindes.&#xA;&#xA;Also eben keine Reliquie, sondern eine Puppe in diesem etwa 150 cm langen Sarg, nicht älter als fünfzig, sechzig Jahre. Den Sargdeckel tragen stilisierte klassizistische Säulchen aus mit Goldfarbe gemalten Holz, dazwischen Glas, um den Blick auf das am Rücken liegende Mädchen Mädchen freizugeben. Gebettet wurde es auf einer weissen Matratze und zwei Kissen, die ihren Kopf stützen. Sainte Foy ist mit einem langen pinkfarbenen und mit Spitzen geschmückten Gewand bekleidet, trägt Sandalen und einen goldfarbenen Haarring. Das Haar selbst scheint echtes Haar zu sein, gekämmt fällt es über die Schultern. Woher wurde es genommen, von wem stammt es? Gruselig auch die Augen, die noch halbgeöffnet und nach oben verdreht sind. Zwischen rechter Hand und Oberkörper ist ein goldener Strab abgebildet, welcher wohl die \*Märtyrerpalme&#34; versinnbildlichen soll. Die Rückseite des Sarges ist mit purpurnem Samt ausgekleidet, ein filigranes Kreuz auf einer Halskette hängt dort, als hätte es dem Kind von einst gehört.&#xA;&#xA;Da liegt es nun, das unschuldige Kind von 15 Jahren, dass sich gegen die Tradition und für einen neuen, frischen Glauben entschieden hat und welches dafür den heidnischen Göttern geopfert werden musste. Wir schreiben das 4. Jahrhundert, genauer den 6. Oktober 303 und wir befinden uns in AGEN, einem Ort im Südosten Frankreichs. Der Legende nach war dieses Kind ein Mädchen aus vornehmer Familie und sollte, vor den römischen Statthalter Datianus zitiert, der heidnischen Göttin Diana ihre Tribut zollen, so wie es damals dem Alter und den Gebräuchen entsprach. In einem besonderem Ritus und unter der Verwendung von Weihrauch sollte sie dem im römischen Reich weitverbreiteten Dianakult ihre Referenz erweisen. Doch diesem Initiationsritus entschlug sie sich der Legende nach standhaft mit dem Verweis auf die Dämonen, die hinter den römischen Göttern stünden. Allein ihrem christlichen Herren wolle sie dienen, den Dämonen der alten Götter müsse sie entsagen. Als alle Drohungen der Obrigkeit nichts halfen und ein Präzedenzfall geschaffen worden war, hatte sie die Konsequenzen durch die Mächtigen zu tragen. Sie wurde auf einen bronzenen Gitterrost gebunden und darauf verbrannt. Mit ihr ihre Geschwister und einige ihrer unmittelbaren Anhänger. Die Leidensgeschichte besagt auch, dass sie vom Leiden erlöst, einem ihrer Verehrer erschien,  in strahlend weissem Gewand und einer Krone mit Edelsteinen und Perlen auf dem Haupte. Eine Taube flog aus den Wolken und setzte sich auf ihren Kopf, untrügliches Zeichen, dass sie durch ihre Standhaftigkeit das Ewige Heil errungen hatte. Im gleichen Zug, erklärt es die Legende , wurden ihre Gebeine sofort nach ihrem Tod verbracht.&#xA;&#xA;Ein Stück weit spiegelt sich in dieser Legende der Kampf des Christentums gegen die alten heidnischen Bräuche, die noch bis ins 9. Jahrhundert in ländlichen Gegenden weiterlebten, die aber nun mit einem behaupteten Hexentum in Verbindung gebracht wurden, wie etwa in einem Bericht aus der Abtei Brün im 9. Jahhundert:&#xA;&#xA;  ... dass einige verbrecherische Weiber, umgewandt dem Satan nach, verführt durch Illusionen und Phantasmen der Dämonen, vermeinen und behaupten zu nächtlicher Stunde mit Diana, der dea paganorum (= Göttin der Heiden) und einer zahlreichen Menge von Frauen auf irgendwelchen Tieren zu reiten und grosse Räume in der Stille der unheimlichen Nacht zu durchmessen, ihren Befehlen als denen einer Herrin zu gehorchen und in bestimmten Nächten zu ihrem Dienst aufgerufen zu werden.&#xA;  Der nachantike Dianakult.&#xA;&#xA;Noch einmal: Es war ein Kind, das hier als Märtyrerin herhalten musste, weil es offenbar den gesellschaftlichen Regeln mit ungewöhnlicher Standhaftigkeit widersprach. Ich frage mich dabei: wie gruselig ist es, wenn eine Institution ihre Kinder zu Märtyrerinnen macht, um so ihre Macht in der Bevölkerung zu zeigen? Und noch etwas zweites frage ich mich: was bringt eine Gemeinschaft dazu, solch ein perverses Faktotum, eben die Reliquien eines verbrannten Kindes, anzubeten und zu verehren? Der Fides-Kult, der sich wie auch viele andere christliche Kulkte im Mittelalter auszubreiten begann, spricht eine deutliche Sprache. Sie stieg schon bald zu einer der wichtigsten Heiligen des europäischen Mittelalters auf und breitete sich rasch entlang der Jakobswege_ aus. In Frankreich erhielten viele Kirchen das Patrozinium (die Schutzherrschaft) der Hl. Fides. Dieser Reliquienkult mag für die Vergangenheit wohl verständlich erscheinen, wo Aberglauben und Wunderglauben sich im Christentum die Hand gaben. Was aber geht in Menschen vor, die in einer vor 60 Jahren neuerbauten Kirche den Reliquienkult wie auf einer Bühne nachzustellen vermögen?&#xA;&#xA;#GeniusLoci #Jura #Legenden]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Kirche in Rosureux ist der Heiligen Fides von Agen (Sainte Foy) geweiht. Ich betrete die Kirche und mache einen skurrilen Fund.</strong></p>

<p>Man möchte meinen, dass die Kirche auf dem kleinen, zentralen Platz in Rosureux schon über Jahrhunderte ihren Platz behauptet hätte, so archaisch erscheint die Architektur des gesamten Ortes. Ein steinernes Zeugnis sei die Kirche für den längst verschwundenen Glauben der Bevölkerung, für seinen Aberglauben an die Wundertätigkeit eines kleinen Mädchens aus Aquitanien.</p>



<p>Doch wir täuschen uns und die Chronik des Ortes belehrt uns eines Besseren. Die Kirche stammt aus dem Jahr 1779, davor stand hier eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, der Glockenturm wurde einige Jahre später, im Jahr 1781, errichtet. Dann aber zerstörten zwei Brände, nämlich 1834 und 1952 die Kirche völlig, sodass sie jeweils zwei Jahre später im ursprünglichen Stil wieder aufgebaut werden musste. Die Kirche ist also nicht viel älter als der Verfasser dieser Zeilen, was eine Art Verbindung zwischen beiden schmiedet. Jung also, und alt zugleich: eine Lebensbegleiterin an entlegener, bislang unbekannter Stelle: im Herzen eines tief eingeschnittenen Tales mitten in der grünen Wildnis des Jura. Aufgrund der den Dingen innewohnenden Einfachheit wirkt hier alles älter, traditioneller, ursprünglicher. Sind wir zur Einfachheit des Lebens zuückgekehrt?</p>

<p>Dennoch widerfährt dem Besucher beim Betreten der Kirche etwas, was zunächst ehrfürchtiges Schaudern, dann aber so etwas historische Differenz hervorruft. Im Inneren der sehr einfach gehaltenen Kirche von Rosuraux findet sich ein kleiner gläserner Kasten, in der die Gestalt der Heiligen Fides von Agen aufgebahrt liegt. Ein Reliquiar in Form eines Sarges. Die Kirche ist ihr geweiht, vor dem Gotteshaus befindet sich ein gemauerter Brunnen, der in seiner Mitte eine Steinskulptur der Heiligen trägt. Die aufgebahrte Heilige im Inneren der Kirche aber fesselt meine Aufmerksamkeit, spekuliert sie doch mit dem morbiden Charme eines toten Kindes.</p>

<p>Also eben keine Reliquie, sondern eine Puppe in diesem etwa 150 cm langen Sarg, nicht älter als fünfzig, sechzig Jahre. Den Sargdeckel tragen stilisierte klassizistische Säulchen aus mit Goldfarbe gemalten Holz, dazwischen Glas, um den Blick auf das am Rücken liegende Mädchen Mädchen freizugeben. Gebettet wurde es auf einer weissen Matratze und zwei Kissen, die ihren Kopf stützen. Sainte Foy ist mit einem langen pinkfarbenen und mit Spitzen geschmückten Gewand bekleidet, trägt Sandalen und einen goldfarbenen Haarring. Das Haar selbst scheint echtes Haar zu sein, gekämmt fällt es über die Schultern. Woher wurde es genommen, von wem stammt es? Gruselig auch die Augen, die noch halbgeöffnet und nach oben verdreht sind. Zwischen rechter Hand und Oberkörper ist ein goldener Strab abgebildet, welcher wohl die *Märtyrerpalme” versinnbildlichen soll. Die Rückseite des Sarges ist mit purpurnem Samt ausgekleidet, ein filigranes Kreuz auf einer Halskette hängt dort, als hätte es dem Kind von einst gehört.</p>

<p>Da liegt es nun, das unschuldige Kind von 15 Jahren, dass sich gegen die Tradition und für einen neuen, frischen Glauben entschieden hat und welches dafür den heidnischen Göttern geopfert werden musste. Wir schreiben das 4. Jahrhundert, genauer den 6. Oktober 303 und wir befinden uns in AGEN, einem Ort im Südosten Frankreichs. Der Legende nach war dieses Kind ein Mädchen aus vornehmer Familie und sollte, vor den römischen Statthalter Datianus zitiert, der heidnischen Göttin Diana ihre Tribut zollen, so wie es damals dem Alter und den Gebräuchen entsprach. In einem besonderem Ritus und unter der Verwendung von Weihrauch sollte sie dem im römischen Reich weitverbreiteten Dianakult ihre Referenz erweisen. Doch diesem Initiationsritus entschlug sie sich der Legende nach standhaft mit dem Verweis auf die Dämonen, die hinter den römischen Göttern stünden. Allein ihrem christlichen Herren wolle sie dienen, den Dämonen der alten Götter müsse sie entsagen. Als alle Drohungen der Obrigkeit nichts halfen und ein Präzedenzfall geschaffen worden war, hatte sie die Konsequenzen durch die Mächtigen zu tragen. Sie wurde auf einen bronzenen Gitterrost gebunden und darauf verbrannt. Mit ihr ihre Geschwister und einige ihrer unmittelbaren Anhänger. Die Leidensgeschichte besagt auch, dass sie vom Leiden erlöst, einem ihrer Verehrer erschien,  in strahlend weissem Gewand und einer Krone mit Edelsteinen und Perlen auf dem Haupte. Eine Taube flog aus den Wolken und setzte sich auf ihren Kopf, untrügliches Zeichen, dass sie durch ihre Standhaftigkeit das Ewige Heil errungen hatte. Im gleichen Zug, erklärt es die Legende , wurden ihre Gebeine sofort nach ihrem Tod verbracht.</p>

<p>Ein Stück weit spiegelt sich in dieser Legende der Kampf des Christentums gegen die alten heidnischen Bräuche, die noch bis ins 9. Jahrhundert in ländlichen Gegenden weiterlebten, die aber nun mit einem behaupteten Hexentum in Verbindung gebracht wurden, wie etwa in einem Bericht aus der Abtei Brün im 9. Jahhundert:</p>

<blockquote><p>... dass einige verbrecherische Weiber, umgewandt dem Satan nach, verführt durch Illusionen und Phantasmen der Dämonen, vermeinen und behaupten zu nächtlicher Stunde mit Diana, der dea paganorum (= Göttin der Heiden) und einer zahlreichen Menge von Frauen auf irgendwelchen Tieren zu reiten und grosse Räume in der Stille der unheimlichen Nacht zu durchmessen, ihren Befehlen als denen einer Herrin zu gehorchen und in bestimmten Nächten zu ihrem Dienst aufgerufen zu werden.
<strong><a href="http://imperiumromanum.com/religion/antikereligion/diana_01.htm">Der nachantike Dianakult.</a></strong></p></blockquote>

<p>Noch einmal: Es war ein Kind, das hier als Märtyrerin herhalten musste, weil es offenbar den gesellschaftlichen Regeln mit ungewöhnlicher Standhaftigkeit widersprach. Ich frage mich dabei: wie gruselig ist es, wenn eine Institution ihre Kinder zu Märtyrerinnen macht, um so ihre Macht in der Bevölkerung zu zeigen? Und noch etwas zweites frage ich mich: was bringt eine Gemeinschaft dazu, solch ein perverses Faktotum, eben die Reliquien eines verbrannten Kindes, anzubeten und zu verehren? Der Fides-Kult, der sich wie auch viele andere christliche Kulkte im Mittelalter auszubreiten begann, spricht eine deutliche Sprache. Sie stieg schon bald zu einer der wichtigsten Heiligen des europäischen Mittelalters auf und breitete sich rasch entlang der <em>Jakobswege</em> aus. In Frankreich erhielten viele Kirchen das Patrozinium (die Schutzherrschaft) der Hl. Fides. Dieser Reliquienkult mag für die Vergangenheit wohl verständlich erscheinen, wo Aberglauben und Wunderglauben sich im Christentum die Hand gaben. Was aber geht in Menschen vor, die in einer vor 60 Jahren neuerbauten Kirche den Reliquienkult wie auf einer Bühne nachzustellen vermögen?</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Jura" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Jura</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Legenden" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Legenden</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/der-korper-der-kleinen-sainte-foy</guid>
      <pubDate>Sat, 28 May 2022 18:38:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>021 Über Grenzüberschreitungen 1</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/020-uber-grenzuberschreitungen-teil-1?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Zweimal finde ich in meiner aktuellen Lektüre Grenzen thematisiert. In Ruth Blums Buch &#34;Blauer Himmel. Grüne Erde (1941)&#34; und in Ursula K. Le Guins Buch &#34;The Dispossessed&#34; (1974)&#34;. Und gerade komme ich aus dem Kanton Schaffhausen zurück. Grund genug, über Grenzen zu schreiben.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Zunächst berichte ich aus der Erfahrungswelt eines Kindes. Ruth Blum widmet in ihrer sgn. Autobiographie ein ganzes Kapitel der Grenze. Es ist die Zeit des Grossen Krieges und die Erwachsenen sprechen darüber in unheilvoller Weise, welche die eigene Kindheit immer wieder wie ein Schatten verdunkelt. Der Krieg ist da draussen, jenseits der Grenze, die von den Schweizer Vätern beschützt werden muss. Der eigene Vater wacht am Gotthart in Schnee und Eis über die Sicheheit der Familie. Da muss die Grenze ein Bollwerk sein, eine riesige Mauer, die den Krieg Draussen hält, damit im Inneren Frieden herrscht. Eingeklemmt zwischen den Franzosen und Deutschland liegt die Schweiz im Ersten Weltkrieg. Ein viel beschworenes Bollwerk ist das Land, umgeben von einem bewachten Grenzzaun. Doch in Wirklichkeit verirrt man sich rasch entlang der fragilen Trennlinie zwischen Ländern und Kulturen.&#xA;&#xA;Das Unverständnis, was denn eigentlich eine Grenze sei, ist gross bei dem Mädchen aus einem kleinen Dorf im Klettgau. Es kann nicht verstehen, dass diesseits und jenseits dieselbe Landschaft, derselbe Sommer existieren, diesselben Menschen leben und sich kaum von einander unterscheiden. Nur das Schweizer Zollhäuschen gibt an, dass hier irgendwo das eigene Land enden muss und der Krieg dahinter tobt. Und so geschieht es, dass sich das Mädchen namens Regine ohne rechte Orientierung auf die deutsche Seite der Grenze verirrt. Dort, wo sie dunkel gekleidete Frauen bei einem Begräbnis beobachtet, muss Regine erstaunt feststellen:&#xA;&#xA;  Da draussen war ja keine Zerstörung, kein Untergang. Keine blutigen Schlachten, keine brennenden Häuser erfüllten dieses stille deutsche Tal. Nicht ein einziger Trommelwirbel erschütterte seine schläfrige Mittagsruhe. Nur friedliche Rauchwölklein wirbelten über den Dächern auf und dem Bächlein entlang weideten weisse Schafe.&#xA;&#xA;Doch irgendwo kommt der Abschluss, das Ende, die Grenze ins Spiel. Das Mädchen wird von einem Grenzsoldaten aufgegriffen und wieder in die Schweiz zurückgeschickt. Doch ihr Glauben an die Undurchlässigkeit der Grenze ist erschüttert: sie hatte ja selbst gesehen, dass es dort weder Bollwerk noch Zaun. weder Turm noch Graben gab, sondern nur ein paar graue Steine am Boden lagen. Die Grenze ist ihrem Wesen nach durchlässig und so auch die Welten zu beiden Seiten.&#xA;&#xA;#Literatur #GeniusLoci #Grenzen #Klettgau #LeGuin #RuthBlum #Solarpunk]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zweimal finde ich in meiner aktuellen Lektüre Grenzen thematisiert. In Ruth Blums Buch <em>“Blauer Himmel. Grüne Erde (1941)”</em> und in Ursula K. Le Guins Buch <em>“The Dispossessed” (1974)”</em>. Und gerade komme ich aus dem Kanton Schaffhausen zurück. Grund genug, über Grenzen zu schreiben.</strong></p>



<p>Zunächst berichte ich aus der Erfahrungswelt eines Kindes. Ruth Blum widmet in ihrer sgn. Autobiographie ein ganzes Kapitel der Grenze. Es ist die Zeit des Grossen Krieges und die Erwachsenen sprechen darüber in unheilvoller Weise, welche die eigene Kindheit immer wieder wie ein Schatten verdunkelt. Der Krieg ist da draussen, jenseits der Grenze, die von den Schweizer Vätern beschützt werden muss. Der eigene Vater wacht am Gotthart in Schnee und Eis über die Sicheheit der Familie. Da muss die Grenze ein Bollwerk sein, eine riesige Mauer, die den Krieg Draussen hält, damit im Inneren Frieden herrscht. Eingeklemmt zwischen den Franzosen und Deutschland liegt die Schweiz im Ersten Weltkrieg. Ein viel beschworenes Bollwerk ist das Land, umgeben von einem bewachten Grenzzaun. Doch in Wirklichkeit verirrt man sich rasch entlang der fragilen Trennlinie zwischen Ländern und Kulturen.</p>

<p>Das Unverständnis, was denn eigentlich eine Grenze sei, ist gross bei dem Mädchen aus einem kleinen Dorf im Klettgau. Es kann nicht verstehen, dass diesseits und jenseits dieselbe Landschaft, derselbe Sommer existieren, diesselben Menschen leben und sich kaum von einander unterscheiden. Nur das Schweizer Zollhäuschen gibt an, dass hier irgendwo das eigene Land enden muss und der Krieg dahinter tobt. Und so geschieht es, dass sich das Mädchen namens Regine ohne rechte Orientierung auf die deutsche Seite der Grenze verirrt. Dort, wo sie dunkel gekleidete Frauen bei einem Begräbnis beobachtet, muss Regine erstaunt feststellen:</p>

<blockquote><p>Da draussen war ja keine Zerstörung, kein Untergang. Keine blutigen Schlachten, keine brennenden Häuser erfüllten dieses stille deutsche Tal. Nicht ein einziger Trommelwirbel erschütterte seine schläfrige Mittagsruhe. Nur friedliche Rauchwölklein wirbelten über den Dächern auf und dem Bächlein entlang weideten weisse Schafe.</p></blockquote>

<p>Doch irgendwo kommt der Abschluss, das Ende, die Grenze ins Spiel. Das Mädchen wird von einem Grenzsoldaten aufgegriffen und wieder in die Schweiz zurückgeschickt. Doch ihr Glauben an die Undurchlässigkeit der Grenze ist erschüttert: sie hatte ja selbst gesehen, dass es dort weder Bollwerk noch Zaun. weder Turm noch Graben gab, sondern nur ein paar graue Steine am Boden lagen. Die Grenze ist ihrem Wesen nach durchlässig und so auch die Welten zu beiden Seiten.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Literatur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Literatur</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Grenzen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Grenzen</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:LeGuin" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">LeGuin</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:RuthBlum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">RuthBlum</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Solarpunk" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Solarpunk</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/020-uber-grenzuberschreitungen-teil-1</guid>
      <pubDate>Mon, 16 May 2022 19:49:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>018 Ein Koffer voller Geschichten.</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/017-ein-koffer-voller-geschichten?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Fast hätte ich geschrieben: Ein Koffer voller Andenken. Doch Andenken sind dazu da, um zu verstauben, Geschichten jedoch sollen bewegen und erzählt werden.&#xA;&#xA;Wie befürchtet, war auch der #Klettgau eine reiche Ausbeute an Geschichten. Das Neue, oft am Wegrand Aufgelesene, das mühsam Erforschte, zufällig Erlauschte und erstaunt Gesehene haben mich bereichert, aber auch von der Arbeit am Roman abgehalten. Doch sei es drum, ich stehe nicht unter einem finanziell verursachten Schaffensdruck, den Musen sei Dank! Ich kann mir Zeit lassen und vielleicht die eine oder andere aufgelesene Geschichte in den Stoff einarbeiten.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Es war eine literarische Entdeckung, die mich wohl am meisten von den Erlebnissen im Klettgau beeindruckte: die unbekannte und wohl auch in ihrer Region vergessene Schriftstellerin Ruth Blum hat es mir besonders angetan. Heute ist eines ihrer Bücher aus dem Jahr 1941 bei mir eingetroffen: Blauer Himmel. Grüne Erde. Das ist ihr erstes Werk und wohl auch eine Lebenserinnerung, die sie Jahrzehnte später in ihrem Buch Graue Steine fortsetzen sollte. Eine ganze Welt tut sich hier wohl auf in der Region um Schaffhausen, eine Welt, von der ich (familiär bedingt) immer schon mehr erfahren wollte.&#xA;&#xA;Und noch zweite eine zweite Entdeckung (ich beschränke mich hier wirklich nur aufs Literarische) muss ich erwähnen: jene von Ursula Noser:&#xA;&#xA;Aus der Ballade vom Ackerland&#xA;Ursula Noser&#xA;&#xA;  Abgeerntet&#xA;  ist heute schon das Feld&#xA;  Zwei Falter gestern&#xA;  taumelten&#xA;  durch Reifeduft und&#xA;  Erdgeruch in alle Tiefen&#xA;  einer Sommernacht&#xA;  berauscht vom Korn&#xA;  und seiner Süsse&#xA;&#xA;  Die Bagger werden kommen&#xA;  um unser Feld&#xA;  für andre Saaten umzubrechen&#xA;&#xA;  Wenn dies vollbracht ist&#xA;  werden wir&#xA;  nur noch Erinnerungen ernten&#xA;&#xA;Ursula Noser entzieht sich fast komplett meiner Recherche im Internet. Schliesslich finde ich in irgendeiner Ecke des Digitalen Raums ein Geburtsdatum (1947) und den Beruf &#34;Lyrikerin&#34;. Sie war offenbar Kolumnistin bei der Schaffhauser Nachrichten. Und dann ist noch die Lesung ihres Gedichts abseits auf Youtube. Vereinzelt auch ein paar Onlite gestellte Diapositive im Schaffhauser Stadtarchiv, die sie in jungen Jahren zeigen. Ein Rätsel also und ein Werk, dem man offenbar detektivisch nachjagen muss. Ich möchte so gerne mehr von ihrem Ouevre lesen, wenn sie überhaupt eines hat, das veröffentlicht wurde.&#xA;&#xA;Beide Dichterinnen habe ich auf meinen Spaziergängen im Klettgau entdeckt, auf dem sgn. Schaffhauser Dichterpfad, auf dem ziemlich viel schlechte, aber auch passable bis gute LyrikerInnen versammelt sind. Eine nette Idee, aber ein wenig Biographie auf einer eigenen Website hätte ich mir für die ausgestellten Damen und Herren gewünscht.  Stattdessen find ich eine Trophy und viel sportlich motiviertes Blabla. Auch das sind Geschichten, allerdings moderne Paraphrasen auf das &#34;richtige Leben&#34; , die mich so gar nicht interessieren.&#xA;&#xA;#Klettgau #GeniusLoci #Literatur]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fast hätte ich geschrieben: <em>Ein Koffer voller Andenken</em>. Doch Andenken sind dazu da, um zu verstauben, Geschichten jedoch sollen bewegen und erzählt werden.</strong></p>

<p>Wie befürchtet, war auch der <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> eine reiche Ausbeute an Geschichten. Das Neue, oft am Wegrand Aufgelesene, das mühsam Erforschte, zufällig Erlauschte und erstaunt Gesehene haben mich bereichert, aber auch von der Arbeit am Roman abgehalten. Doch sei es drum, ich stehe nicht unter einem finanziell verursachten Schaffensdruck, den Musen sei Dank! Ich kann mir Zeit lassen und vielleicht die eine oder andere aufgelesene Geschichte in den Stoff einarbeiten.</p>



<p>Es war eine literarische Entdeckung, die mich wohl am meisten von den Erlebnissen im Klettgau beeindruckte: die unbekannte und wohl auch in ihrer Region vergessene Schriftstellerin <em><strong>Ruth Blum</strong></em> hat es mir besonders angetan. Heute ist eines ihrer Bücher aus dem Jahr 1941 bei mir eingetroffen: <em><strong>Blauer Himmel. Grüne Erde.</strong></em> Das ist ihr erstes Werk und wohl auch eine Lebenserinnerung, die sie Jahrzehnte später in ihrem Buch <em><strong>Graue Steine</strong></em> fortsetzen sollte. Eine ganze Welt tut sich hier wohl auf in der Region um Schaffhausen, eine Welt, von der ich (familiär bedingt) immer schon mehr erfahren wollte.</p>

<p>Und noch zweite eine zweite Entdeckung (ich beschränke mich hier wirklich nur aufs Literarische) muss ich erwähnen: jene von <em><strong>Ursula Noser</strong></em>:</p>

<p><strong>Aus der Ballade vom Ackerland
Ursula Noser</strong></p>

<blockquote><p>Abgeerntet
ist heute schon das Feld
Zwei Falter gestern
taumelten
durch Reifeduft und
Erdgeruch in alle Tiefen
einer Sommernacht
berauscht vom Korn
und seiner Süsse</p>

<p>Die Bagger werden kommen
um unser Feld
für andre Saaten umzubrechen</p>

<p>Wenn dies vollbracht ist
werden wir
nur noch Erinnerungen ernten</p></blockquote>

<p>Ursula Noser entzieht sich fast komplett meiner Recherche im Internet. Schliesslich finde ich in irgendeiner Ecke des Digitalen Raums ein Geburtsdatum (1947) und den Beruf “Lyrikerin”. Sie war offenbar Kolumnistin bei der Schaffhauser Nachrichten. Und dann ist noch die Lesung ihres Gedichts <em><strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=9EJ2bj2KEJ8">abseits</a></strong></em> auf Youtube. Vereinzelt auch ein paar Onlite gestellte Diapositive im Schaffhauser Stadtarchiv, die sie in jungen Jahren zeigen. Ein Rätsel also und ein Werk, dem man offenbar detektivisch nachjagen muss. Ich möchte so gerne mehr von ihrem Ouevre lesen, wenn sie überhaupt eines hat, das veröffentlicht wurde.</p>

<p>Beide Dichterinnen habe ich auf meinen Spaziergängen im Klettgau entdeckt, auf dem sgn. <a href="https://www.christianamsler.ch/wahlkomitee/mundarttexte-schaffhausen.htm">Schaffhauser Dichterpfad</a>, auf dem ziemlich viel schlechte, aber auch passable bis gute LyrikerInnen versammelt sind. Eine nette Idee, aber ein wenig Biographie auf einer eigenen Website hätte ich mir für die ausgestellten Damen und Herren gewünscht.  Stattdessen find ich eine Trophy und viel <a href="https://dichterpfad.ch/">sportlich motiviertes Blabla</a>. Auch das sind Geschichten, allerdings moderne Paraphrasen auf das “richtige Leben” , die mich so gar nicht interessieren.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Literatur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Literatur</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/017-ein-koffer-voller-geschichten</guid>
      <pubDate>Sat, 14 May 2022 13:57:49 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>017 Das Schlaatemer Bähnli</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/das-schlaatemer-bahnli?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Von 1905 bis 1964 führte eine elektrifizierte Strassenbahn von Schaffhausen über Siblingen nach Schleitheim. Nie richtig erfolgreich wurde sie nach 60 Jahren eingestellt.&#xA;&#xA;Wir sind es gewohnt, Strassenbahnen eng mit dem urbanen Leben zu verknüpfen. Eine Tram, die sich mit der Anbindung an eine Stadt meist im ländlichen Raum bewegt, über eine Strecke von fast 19 km, das ist aussergewöhnlich. So etwas wäre heute eine Fremdenverkehrs-attraktion ersten Ranges, beliebt bei Erholung und Abwechslung Suchenden, aber möglicherweise auch bei PendlerInnen und Schulkindern.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Etwas Handfestes, Zukunftsorientiertes, verbunden mit dem Blick in eine wunderschöne stille Landschaft. Stattdessen rauschen heute Hochleistungsbusse, Autos, landwirtschaftliche Maschinen und die trotz Klimakrise so nachgefragten protzigen SUVs an uns vorbei. Wir aber quälen uns mit Fahrrädern im Verkehr dahin.&#xA;&#xA;So eine Tram im Grünen, die  gab es im Klettgau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie hiess Schleitheimer Bahn (Schleetamer Bähnli). Von 1905 bis 1964, also 60 Jahre lang, fuhren elektrifizierte Waggons von der Hochrheinbahn quer durch Hügel und Ackerland, entlang der Wälder des Randen durch die Dörfer Beringen, Löhningen, Siblingen und Schleitheim. Das war die nördlichste Tram der Schweiz, wie man immer wieder mit Stolz bemerkte. Bis nach Deutschland hat sie es allerdings nie geschafft. Passagiere beförderte sie, aber natürlich diente sie dem Gütertransport. Die Kapazitäten waren recht ordentlich: 1937  lagen sie bei rund 270.000 beförderten Personen, 1945, aufgrund der allgemeinen Treibstoffknappheit bei rund 600.000 Personen.&#xA;&#xA;  Transportiert wurden nicht nur Leute, sondern zum Beispiel auch Holz oder Milch und Gerätschaften, und natürlich auch Tiere. Davon hatte die Nase auch immer etwas! Da gab es die wöchentlichen Schlachttransporte, aber auch die berührende Geschichte, wo ein Tramchauffeur bei Nacht und Nebel nochmals ausrückte, um eine einzelne Kuh in Schaffhausen abzuholen und sie nach Schleitheim zu bringen!&#xA;&#xA;Quelle&#xA;&#xA;Doch die Bahn war trotz ihres ländlichen Charmes und des nie enden wollenden Druckes der Schleitheimer nie ein Kind des Glücks. Sie war, auch im übertragenen Sinn, eine rechte Schmalspurbahn. Schon ihre Geburt war von einer Kette an Vorhaben, Widerständen und Versäumnissen geprägt, die finanzielle Ausstattung im Laufe ihres Lebens blieb bescheiden und  die zunehmende Automobilisierung verdrängte sie dann bald von der mit den Autos über Strecken gemeinsam genutzten Trasse.&#xA;&#xA;Wenig Artefakte blieben von der Bahn erhalten, ein Stationsgebäude, ein Güterschuppen, ein Depot und allen voran die charmante Haltestelle an der Silblinger Höhe. Letztere darf dem Nachfolger des Bähnlis, einer Buslinie, noch immer als Wartehäuschen dienen. Und letzthin, weil ja die Bahnnostalgie wieder auflebt, hat ein Siblinger Ehepaar einen der alten Waggons gekauft und zu einem Bahnhof-Bistro umgestaltet. Im Angebot: Kaltes Trämliplättli und Trämli Chässchnitte. Die Vergangenheit dient wie so oft als nostalgische Fremdenverkehrsattraktion, aber nicht als Aufforderung zu einem Neudenken von Verkehrspolitik in Zeiten dieser bereits fassbaren Klimakatastrophe.&#xA;&#xA;#GeniusLoci #Klettgau]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von 1905 bis 1964 führte eine elektrifizierte Strassenbahn von Schaffhausen über Siblingen nach Schleitheim. Nie richtig erfolgreich wurde sie nach 60 Jahren eingestellt.</strong></p>

<p>Wir sind es gewohnt, Strassenbahnen eng mit dem urbanen Leben zu verknüpfen. Eine <em><strong>Tram</strong></em>, die sich mit der Anbindung an eine Stadt meist im ländlichen Raum bewegt, über eine Strecke von fast 19 km, das ist aussergewöhnlich. So etwas wäre heute eine Fremdenverkehrs-attraktion ersten Ranges, beliebt bei Erholung und Abwechslung Suchenden, aber möglicherweise auch bei PendlerInnen und Schulkindern.</p>



<p>Etwas Handfestes, Zukunftsorientiertes, verbunden mit dem Blick in eine wunderschöne stille Landschaft. Stattdessen rauschen heute Hochleistungsbusse, Autos, landwirtschaftliche Maschinen und die trotz Klimakrise so nachgefragten protzigen SUVs an uns vorbei. Wir aber quälen uns mit Fahrrädern im Verkehr dahin.</p>

<p>So eine Tram im Grünen, die  gab es im Klettgau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie hiess Schleitheimer Bahn (<em><strong>Schleetamer Bähnli</strong></em>). Von 1905 bis 1964, also 60 Jahre lang, fuhren elektrifizierte Waggons von der Hochrheinbahn quer durch Hügel und Ackerland, entlang der Wälder des Randen durch die Dörfer Beringen, Löhningen, Siblingen und Schleitheim. Das war die nördlichste Tram der Schweiz, wie man immer wieder mit Stolz bemerkte. Bis nach Deutschland hat sie es allerdings nie geschafft. Passagiere beförderte sie, aber natürlich diente sie dem Gütertransport. Die Kapazitäten waren recht ordentlich: 1937  lagen sie bei rund 270.000 beförderten Personen, 1945, aufgrund der allgemeinen Treibstoffknappheit bei rund 600.000 Personen.</p>

<blockquote><p>Transportiert wurden nicht nur Leute, sondern zum Beispiel auch Holz oder Milch und Gerätschaften, und natürlich auch Tiere. Davon hatte die Nase auch immer etwas! Da gab es die wöchentlichen Schlachttransporte, aber auch die berührende Geschichte, wo ein Tramchauffeur bei Nacht und Nebel nochmals ausrückte, um eine einzelne Kuh in Schaffhausen abzuholen und sie nach Schleitheim zu bringen!</p></blockquote>

<p><strong><a href="https://www.ref-siblingen.ch/bericht/6906">Quelle</a></strong></p>

<p>Doch die Bahn war trotz ihres ländlichen Charmes und des nie enden wollenden Druckes der Schleitheimer nie ein Kind des Glücks. Sie war, auch im übertragenen Sinn, eine rechte Schmalspurbahn. Schon ihre Geburt war von einer Kette an Vorhaben, Widerständen und Versäumnissen geprägt, die finanzielle Ausstattung im Laufe ihres Lebens blieb bescheiden und  die zunehmende Automobilisierung verdrängte sie dann bald von der mit den Autos über Strecken gemeinsam genutzten Trasse.</p>

<p>Wenig Artefakte blieben von der Bahn erhalten, ein Stationsgebäude, ein Güterschuppen, ein Depot und allen voran die charmante Haltestelle an der Silblinger Höhe. Letztere darf dem Nachfolger des Bähnlis, einer Buslinie, noch immer als Wartehäuschen dienen. Und letzthin, weil ja die Bahnnostalgie wieder auflebt, hat ein Siblinger Ehepaar einen der alten Waggons gekauft und zu einem Bahnhof-Bistro umgestaltet. Im Angebot: Kaltes Trämliplättli und Trämli Chässchnitte. Die Vergangenheit dient wie so oft als nostalgische Fremdenverkehrsattraktion, aber nicht als Aufforderung zu einem Neudenken von Verkehrspolitik in Zeiten dieser bereits fassbaren Klimakatastrophe.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/das-schlaatemer-bahnli</guid>
      <pubDate>Fri, 13 May 2022 18:09:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>013 Das Geraune über schlechte Energie</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/012-das-gerede-von-der-energie?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Menschen mit esoterischer Affinität sprechen immer wieder gerne von der Energie von Menschen, Orten oder Landschaften. Ein junges Mädchen verändert den Blick darauf.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Soviel wird von der fehlenden oder vorhandenen Energie, von Energieorten, schlechter Energie von Menschen, die einen in seinem positiven Denken zu beeinträchtigen droht, geschrieben und gesprochen. Geben wir es doch zu, trotz all unserer Aversion gegenüber esoterischem Blablabla und darin sich badendendem überheblichen Getue; Geben wir es zu, dass wir uns an bestimmten Orten einfach schlecht fühlen und an manchen einfach richtig gut. Ob das an feinstofflichen Schwingungen, unterirdischen Wasseradern oder einfach unserem schlechten/exzellenten psychischen Zustand liegen mag, lassen wir dahingestellt.&#xA;&#xA;Darüber nachzudenken ist eigentlich müssig. Aber da ist dieser Berghof auf dem Hügel, einst in der Mitte des 19. Jahrhunderts dort gebaut, um jene Menschen aufzunehmen, die anderso keinen Platz gefunden haben: Arme, Obdachlose, Alte, Verrückte, &#34;Asoziale&#34;. Oben am Berg eben, um sie recht weit weg von den akzeptierten Bürgern unten im Tal zu konzentrieren. Wer sich also von diesem Haus ohne Erlaubnis wegbegab, erhielt seine &#34;verdiente&#34; Strafe. So vermerkt die Chronik aus dem Jahr 1939:&#xA;&#xA;  Ein Insasse ist zum dritten male ausgerissen und hat sich 1 1/2 Jahre mit falschem Heimatschein herumgetrieben. Er bekam folgende Strafe: 20 Streiche auf dem Rücken und zwar 10 vor dem Gemeindehaus und die anderen 10 beim Wiedereintritt ins Armenhaus.&#xA;&#xA;Dieser Ort, in dem mit Zwang regiert wurde, in denen Menschen geschlagen, gedemütigt, eingesperrt und insgesamt menschenunwürdig behandelt wurden, in dem gestorben und gelitten wurde, hoch oben am Hügel: kann dieser Ort mit &#34;guten&#34; Energien ausgestattet sein, kann man sich dort wohlfühlen, entspannen, ihn geniessen? Muss man denn nicht ständig an den Schmerz der Menschen denken? Denn daran wird man stets erinnert. Liegt in den Gästewohnungen denn nicht auch eine sorgfältig geschriebene Chronik einer Schülerin (der Tochter des Hauses) auf, in der präzise beschrieben wird, welche Geschichte dieser Ort besitzt. Das ist beleibe keine Wohlfühlbroschüre des Fremdenverkehrsverbandes. das ist ein Stück Wahrheit über die Armenhäuser dieses Landes. Und natürlich: die Gäste reden offen und betroffen darüber.&#xA;&#xA;Ein Haus voller böser Geschichte und Leiden: und damit auch schlechter Energie, so möchte man meinen. Ich kann beim besten Willen nichts davon entdecken und fühle mich pudelwohl und glücklich. Ob das an meiner mangelnden Sensibilität liegt? An meiner Abwehr? An meiner Ignoranz?&#xA;&#xA;Doch dann fällt mir ein, welche Genugtuung es den geschundenen und kranken und auch alten Menschen bereitet hätte, wenn eine eifrige, verständnisvolle und zugewandte jungen Frau ihr Leben gewürdigt und damit anerkannt hätte. Und wenn die neuen Besitzer des Hauses, sich nicht gescheut hätten, die Wahrheit über sie in jedem Zimmer auszulegen. So sieht nämlich Wiedergutmachung aus und darüber hat jede/r Macht. Schlechte Energien können da nicht mehr bestehen.&#xA;&#xA;Tags: #GeniusLoci #Klettgau #Asyl]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Menschen mit esoterischer Affinität sprechen immer wieder gerne von der Energie von Menschen, Orten oder Landschaften. Ein junges Mädchen verändert den Blick darauf.</strong></p>



<p>Soviel wird von der fehlenden oder vorhandenen Energie, von Energieorten, schlechter Energie von Menschen, die einen in seinem positiven Denken zu beeinträchtigen droht, geschrieben und gesprochen. Geben wir es doch zu, trotz all unserer Aversion gegenüber esoterischem Blablabla und darin sich badendendem überheblichen Getue; Geben wir es zu, dass wir uns an bestimmten Orten einfach schlecht fühlen und an manchen einfach richtig gut. Ob das an feinstofflichen Schwingungen, unterirdischen Wasseradern oder einfach unserem schlechten/exzellenten psychischen Zustand liegen mag, lassen wir dahingestellt.</p>

<p>Darüber nachzudenken ist eigentlich müssig. Aber da ist dieser Berghof auf dem Hügel, einst in der Mitte des 19. Jahrhunderts dort gebaut, um jene Menschen aufzunehmen, die anderso keinen Platz gefunden haben: Arme, Obdachlose, Alte, Verrückte, “Asoziale”. Oben am Berg eben, um sie recht weit weg von den akzeptierten Bürgern unten im Tal zu konzentrieren. Wer sich also von diesem Haus ohne Erlaubnis wegbegab, erhielt seine “verdiente” Strafe. So vermerkt die Chronik aus dem Jahr 1939:</p>

<blockquote><p>Ein Insasse ist zum dritten male ausgerissen und hat sich 1 ½ Jahre mit falschem Heimatschein herumgetrieben. Er bekam folgende Strafe: 20 Streiche auf dem Rücken und zwar 10 vor dem Gemeindehaus und die anderen 10 beim Wiedereintritt ins Armenhaus.</p></blockquote>

<p>Dieser Ort, in dem mit Zwang regiert wurde, in denen Menschen geschlagen, gedemütigt, eingesperrt und insgesamt menschenunwürdig behandelt wurden, in dem gestorben und gelitten wurde, hoch oben am Hügel: kann dieser Ort mit “guten” Energien ausgestattet sein, kann man sich dort wohlfühlen, entspannen, ihn geniessen? Muss man denn nicht ständig an den Schmerz der Menschen denken? Denn daran wird man stets erinnert. Liegt in den Gästewohnungen denn nicht auch eine sorgfältig geschriebene Chronik einer Schülerin (der Tochter des Hauses) auf, in der präzise beschrieben wird, welche Geschichte dieser Ort besitzt. Das ist beleibe keine Wohlfühlbroschüre des Fremdenverkehrsverbandes. das ist ein Stück Wahrheit über die Armenhäuser dieses Landes. Und natürlich: die Gäste reden offen und betroffen darüber.</p>

<p>Ein Haus voller böser Geschichte und Leiden: und damit auch schlechter Energie, so möchte man meinen. Ich kann beim besten Willen nichts davon entdecken und fühle mich pudelwohl und glücklich. Ob das an meiner mangelnden Sensibilität liegt? An meiner Abwehr? An meiner Ignoranz?</p>

<p>Doch dann fällt mir ein, welche Genugtuung es den geschundenen und kranken und auch alten Menschen bereitet hätte, wenn eine eifrige, verständnisvolle und zugewandte jungen Frau ihr Leben gewürdigt und damit anerkannt hätte. Und wenn die neuen Besitzer des Hauses, sich nicht gescheut hätten, die Wahrheit über sie in jedem Zimmer auszulegen. So sieht nämlich Wiedergutmachung aus und darüber hat jede/r Macht. Schlechte Energien können da nicht mehr bestehen.</p>

<p>Tags: <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Asyl" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Asyl</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/012-das-gerede-von-der-energie</guid>
      <pubDate>Sat, 07 May 2022 19:38:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>TAGS</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/tags?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[.A | #Ailantd #Allaine #AlteLeut #AnnetteDrosteHülshoff #ArtemisMission #Asyl &#xA;.B | #Bibel #Bodensee #GerdaBlees #RuthBlum #HazelBrugger #BuchWien #OctaviaEButler&#xA;.C | #CaptionYourMedia #Chtuluzän&#xA;.D | #Demiurg&#xA;.E | #Erinnerung #Ereignishorizont #AnnieErnaux #EU&#xA;.F | #Fediverse #Figurenkabinett #Fiktiokratie #Fiktionaut #Film #FondationBeyeler #MichelFoucault #Fundstücke #Fungi&#xA;.G | #Gaming #GeniusLoci #Grenzen #Grid&#xA;.I | #Inclusion #Ittingen&#xA;.J | #JavierTellez #Jura&#xA;.K | #Klettgau #Klimakatastrophe #Kunst #Landscaping&#xA;.L |  #Legenden #Literatur #Logseq&#xA;.M | #Mastodon #MikroLiteratur #MikroEssay#MiniEssay #PietMondrian #Mykorhizom&#xA;.N |  #Narrenschiff #Neuhier #nanowrimo #NMS #Netflix&#xA;.O |  #OpenSimulator #Orion&#xA;.P | #PoetrySlam #PostAnthropzän #Psychonaut&#xA;.R | #RomanprojektEarthseed&#xA;.S | #Schreibarbeit #SchwarzeLöcher #Scrivener #SigridUndstet #Software #Solarpunk #Sonne #Sonnenfinsternis #Eklipse&#xA;.T | #Tomasino #Trias #Twitter&#xA;.V | #VirtuelleWelt #Voyeurismus&#xA;.W | #WalktheDog #Weltraum #WriteTrack #WritingMonth24&#xA;.Z | #ZeppelinMuseum&#xA;&#xA; ]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>.A</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ailantd" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ailantd</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AlteLeut" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AlteLeut</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AnnetteDrosteH%C3%BClshoff" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AnnetteDrosteHülshoff</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:ArtemisMission" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ArtemisMission</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Asyl" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Asyl</span></a>
<strong>.B</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Bibel" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bibel</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Bodensee" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bodensee</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GerdaBlees" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GerdaBlees</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:RuthBlum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">RuthBlum</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:HazelBrugger" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">HazelBrugger</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:BuchWien" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">BuchWien</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:OctaviaEButler" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">OctaviaEButler</span></a>
<strong>.C</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:CaptionYourMedia" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">CaptionYourMedia</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Chtuluz%C3%A4n" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Chtuluzän</span></a>
<strong>.D</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Demiurg" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Demiurg</span></a>
.<strong>E</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erinnerung</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ereignishorizont" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ereignishorizont</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AnnieErnaux" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AnnieErnaux</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:EU" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">EU</span></a>
.<strong>F</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fediverse" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fiktiokratie" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fiktiokratie</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fiktionaut" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fiktionaut</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Film" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Film</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:FondationBeyeler" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">FondationBeyeler</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MichelFoucault" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MichelFoucault</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fundst%C3%BCcke" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fundstücke</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a>
.<strong>G</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Gaming" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Gaming</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Grenzen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Grenzen</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Grid" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Grid</span></a>
<strong>.I</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Inclusion" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Inclusion</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ittingen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ittingen</span></a>
.<strong>J</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:JavierTellez" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">JavierTellez</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Jura" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Jura</span></a>
.<strong>K</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klimakatastrophe" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klimakatastrophe</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Kunst" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Kunst</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Landscaping" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Landscaping</span></a>
.<strong>L</strong> |  <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Legenden" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Legenden</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Literatur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Literatur</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Logseq" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Logseq</span></a>
.<strong>M</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Mastodon" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MikroLiteratur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MikroLiteratur</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MikroEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MikroEssay</span></a><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MiniEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MiniEssay</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:PietMondrian" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">PietMondrian</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a>
.<strong>N</strong> |  <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Narrenschiff" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Narrenschiff</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Neuhier" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Neuhier</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:nanowrimo" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">nanowrimo</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:NMS" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">NMS</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Netflix" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Netflix</span></a>
<strong>.O</strong> |  <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:OpenSimulator" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">OpenSimulator</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Orion" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Orion</span></a>
.<strong>P</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:PoetrySlam" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">PoetrySlam</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:PostAnthropz%C3%A4n" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">PostAnthropzän</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Psychonaut" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Psychonaut</span></a>
.<strong>R</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:RomanprojektEarthseed" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">RomanprojektEarthseed</span></a>
.<strong>S</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:SchwarzeL%C3%B6cher" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">SchwarzeLöcher</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Scrivener" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Scrivener</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:SigridUndstet" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">SigridUndstet</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Software" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Software</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Solarpunk" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Solarpunk</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Sonne" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Sonne</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Sonnenfinsternis" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Sonnenfinsternis</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Eklipse" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Eklipse</span></a>
<strong>.T</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Tomasino" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Tomasino</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Trias" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Trias</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Twitter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a>
<strong>.V</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:VirtuelleWelt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">VirtuelleWelt</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Voyeurismus" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Voyeurismus</span></a>
.<strong>W</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WalktheDog" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WalktheDog</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Weltraum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Weltraum</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WriteTrack" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WriteTrack</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WritingMonth24" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WritingMonth24</span></a>
.<strong>Z</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:ZeppelinMuseum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ZeppelinMuseum</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/tags</guid>
      <pubDate>Fri, 06 May 2022 07:41:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>011 Die Sache mit dem Teufel</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/011-die-sache-mit-dem-teufel?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Darüber habe ich ja schon viel geschrieben, denn seine Gestalt lässt uns nicht los. Gott ist tot, der Teufel lebt.&#xA;&#xA;Ja, ich weiss, die beiden gehören zusammen: der Teufel erscheint mir aber der Interessantere von Beiden. Darüber habe ich verschiedentlich bereits in meinem Blog Mostindien geschrieben: hier und da.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Nun finde ich bei meinen Spaziergängen durch den Klettgau einen weiteren Ort, der offenbar dem Teufel gewidmet ist: des Tüüfels Häärdplatte. Da wurde ein grosser Stein vom Gletscher des Schwarzwaldeises über einige Entfernungen verfrachtet und ist dort über Jahrhunderte liegengeblieben, heute in einem dichten Kulturwald, abseits eines Weges, mit einem zarten Hinweisschild versehen. Der eiszeitliche Findling, vom Gletscher an einen fernen Ort getragen, ist heute ein verwitterter Kalkblock, mit zum Teil faustgrossen Vertiefungen und einem seltsamen Gewirr von Rinnen. Von bescheidener Grösse indes: 190x120x50cm.  Immer wieder wird betont, dass es sich dabei um einen Stein mit kultischer Bedeutung gehandelt haben soll: einem heidnischen Druiden- oder Schalenstein. Das Heidentum, das aus der Überlieferung spricht, wird durch den heutigen Namen  in die Person des &#34;Ungläubigen&#34;, des &#34;Teufels&#34; gepackt. Der Stein als Kochstelle des Teufels eben, auf der die verlorenen Seelen gegart werden.&#xA;Quelle: Ortsnamen Schweiz&#xA;&#xA;#GeniusLoci #Klettgau]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Darüber habe ich ja schon viel geschrieben, denn seine Gestalt lässt uns nicht los. Gott ist tot, der Teufel lebt.</strong></p>

<p>Ja, ich weiss, die beiden gehören zusammen: der Teufel erscheint mir aber der Interessantere von Beiden. Darüber habe ich verschiedentlich bereits in meinem Blog Mostindien geschrieben: <strong><a href="https://mostindien.org/2021/02/16/teuflisches-gewasser/">hier</a></strong> und <strong><a href="https://mostindien.org/2021/04/28/teufel-troll-und-resilienz/">da</a></strong>.</p>



<p>Nun finde ich bei meinen Spaziergängen durch den Klettgau einen weiteren Ort, der offenbar dem Teufel gewidmet ist: des <em>Tüüfels Häärdplatte</em>. Da wurde ein grosser Stein vom Gletscher des Schwarzwaldeises über einige Entfernungen verfrachtet und ist dort über Jahrhunderte liegengeblieben, heute in einem dichten Kulturwald, abseits eines Weges, mit einem zarten Hinweisschild versehen. Der eiszeitliche Findling, vom Gletscher an einen fernen Ort getragen, ist heute ein verwitterter Kalkblock, mit zum Teil faustgrossen Vertiefungen und einem seltsamen Gewirr von Rinnen. Von bescheidener Grösse indes: 190x120x50cm.  Immer wieder wird betont, dass es sich dabei um einen Stein mit kultischer Bedeutung gehandelt haben soll: einem heidnischen Druiden- oder Schalenstein. Das Heidentum, das aus der Überlieferung spricht, wird durch den heutigen Namen  in die Person des “Ungläubigen”, des “Teufels” gepackt. Der Stein als Kochstelle des Teufels eben, auf der die verlorenen Seelen gegart werden.
<strong>Quelle:</strong> <a href="https://search.ortsnamen.ch/de/record/5002229/">Ortsnamen Schweiz</a></p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/011-die-sache-mit-dem-teufel</guid>
      <pubDate>Thu, 05 May 2022 13:18:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>009 Geschichten aus dem Klettgau</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/009-geschichten-aus-dem-klettgau?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Vielen Geschichten begegne ich im Klettgau. Nur um sie nicht zu vergessen, zähle ich sie auf:&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;(1) die Geschichte der jungen Wanderin aus Deutschland, die vor etwa zwei Jahren im Gebiet der Wutachschlucht spurlos verschwunden ist; (2) die grausamen Berichte aus dem Armenhaus von Hallau mit seinen drakonischen Strafmassnahmen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein; (3) die Geschichten der drei begrabenen Soldaten auf dem Friedhof der Bergkirche Hallau; (4) Des Tüüfels Häärdplatte; (5) die Architektur der Reformierten Kirche von Wichlingen; (6) die Kindheit einer Frau, auf die in einer bemerkenswerten Mischung aus Sehnsucht und Trauer zurückgeblickt wird.&#xA;&#xA;Es ist dieses Mal zu wenig Zeit, um sich eingehend mit diesen Geschichten aus der Geschichte auseinanderzusetzen, aber ich nehme mir vor, diese weiterzuverfolgen und sie vielleicht bei künftigen Besuchen mit den Möglichkeiten des vor Ort Seins im Sinne eines Genius Loci zu erfüllen.&#xA;&#xA;#GeniusLoci #Klettgau]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vielen Geschichten begegne ich im Klettgau. Nur um sie nicht zu vergessen, zähle ich sie auf:</strong></p>



<p>(1) die Geschichte der jungen Wanderin aus Deutschland, die vor etwa zwei Jahren im Gebiet der Wutachschlucht spurlos verschwunden ist; (2) die grausamen Berichte aus dem Armenhaus von Hallau mit seinen drakonischen Strafmassnahmen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein; (3) die Geschichten der drei begrabenen Soldaten auf dem Friedhof der Bergkirche Hallau; (4) Des Tüüfels Häärdplatte; (5) die Architektur der Reformierten Kirche von Wichlingen; (6) die Kindheit einer Frau, auf die in einer bemerkenswerten Mischung aus Sehnsucht und Trauer zurückgeblickt wird.</p>

<p>Es ist dieses Mal zu wenig Zeit, um sich eingehend mit diesen Geschichten aus der Geschichte auseinanderzusetzen, aber ich nehme mir vor, diese weiterzuverfolgen und sie vielleicht bei künftigen Besuchen mit den Möglichkeiten des vor Ort Seins im Sinne eines Genius Loci zu erfüllen.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/009-geschichten-aus-dem-klettgau</guid>
      <pubDate>Thu, 05 May 2022 08:08:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>006 Genius Loci</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/006-genius-loci?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Über den unterstellten Zauber von Orten und deren schriftstellerische Durchdringung.&#xA;&#xA;Manchmal, wenn ich mal wieder einen Artikel über einen speziellen Ort schreibe, der mich besonders beeindruckt, denke ich darüber nach, unter welche Überschrift ich diesen Artikel reihen sollte: Heimatkunde, Ortsgeschichte, Regionalgeschichte? Mehr noch, ich wundere mich darüber, warum ich soche Texte überhaupt schreibe und warum mich manche Orte so besonders anziehen. Mein Blog Mostindien ist voll von derartigen Eindrücken. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ist es ein wie immer geartetes Interesse an Regionalgeschichte, das mich antreibt, ein Interesse an den gewöhnlichen Menschen in ihrem unaufregenden Leben? Eine Neugier an der Beschränktheit des Blicks, der Bedeutungslosigkeit des Seins?&#xA;&#xA;In der Schweiz gibt es in vielen Orten das Unterfangen, der Gemeinde eine Chronik anzulegen, meist dicke, langweilig geschriebene Wälzer, die Ehrfurcht vor der Gewordenheit und Grösse einer ganz normalen Siedlung vermitteln soll, die wenig Kultur, dafür aber Geschichte besitzt. In diesen stöbere ich gerne und bleibe dann an völlig abstrusen Details hängen, möchte mehr darüber wissen, finde aber keine Quellen. Es gibt nur diese älteren Herren mit Schnauz, die Chronisten, die vor Bedeutsamkeit ihre Brust und Stimme aufschwellen lassen und nicht wissen was tun mit dem chronischen Stolz auf sich selbst. Sie eingehend zu befragen oder auch nur zu kontaktieren, ist mir zutiefst zuwider. Lieber lasse ich Verstand und Phantasie an meinem Gegenstand abarbeiten.&#xA;&#xA;Aber warum das Interesse an der Geschichte, die sich unspektakulär in die der Region, ja des Landes einfügt. Dieser eine Ort, an dem ich nun seit mehr als zwei Jahren lebe, kniet weihevoll vor sich selbst nieder, wenn er auf seine (meist unreflektierte) Geschichte blickt. Scheinheilige Ehrfurcht vor ihr, denn nicht wirklich interessiert sie. Aber sie ist wie eine Bibel, mehr noch: wie eine Reliquie:&#xA;&#xA;  Eine Ausgabe liegt in der Bibliothek S. zum Anfassen und Bestaunen auf und kann je nach Verfügbarkeit ausgeliehen werden.&#xA;&#xA;So vermerkt man auf der Website dieses Ortes. Und das Vorwort beginnt mit einem Standardsatz, den wir so schon so oft gelesen haben und wahrscheinlich belustigt den Kopf geschüttelt haben:&#xA;&#xA;  Landschaft und Klima gestalten den Menschen und dessen&#xA;  Kultur.&#xA;&#xA;Das ist Geschichte, die Ehrfurcht vermitteln soll, die so tut, als ob sie objektiv und vom Schicksal verfügt wäre, nicht bloss eine Interpretation oder allerhöchstens die Annäherung an die Wahrheit. Wir verbeugen uns also mit Ehrfurcht vor dem Schicksal, der Landschaft und dem Klima, wenn wir von der Geschichte eines Ortes sprechen, nicht vor der Mühewaltung um Wahrheit.&#xA;&#xA;Geht es mir bei meinen Artikeln vielleicht gar nicht so sehr um Geschichte als vielmehr um das Erzählen einer Geschichte? Will ich nicht eigentlich selbst etwas schaffen, als nur Chronist oder Heimatkundler zu sein? Ich finde die Antwort mit einem Male im Begriff des Genius loci, dem Geist, dem Spirit eines Ortes wieder:&#xA;&#xA;  In diesem Sinne ist der genius loci ein Konstrukt, in dem Wissen, Erinnerung, Wahrnehmung und Deutung als interpretative Leistung des menschlichen Geistes verschmelzen.&#xA;  Wikipedia: Genius Loci.&#xA;&#xA;Und um das wird es wohl gehen, um die Erschaffung einer zweiten Welt, die mit der greifbaren underforschbaren in einem unmittelbaren Zusammenhang steht. Hier geht es um einen schöpferischen Akt und die Freude an dem neu Geschaffenen.&#xA;&#xA;GeniusLoci]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Über den unterstellten Zauber von Orten und deren schriftstellerische Durchdringung.</strong></p>

<p>Manchmal, wenn ich mal wieder einen Artikel über einen speziellen Ort schreibe, der mich besonders beeindruckt, denke ich darüber nach, unter welche Überschrift ich diesen Artikel reihen sollte: Heimatkunde, Ortsgeschichte, Regionalgeschichte? Mehr noch, ich wundere mich darüber, warum ich soche Texte überhaupt schreibe und warum mich manche Orte so besonders anziehen. Mein Blog <em>Mostindien</em> ist voll von derartigen Eindrücken.</p>



<p>Ist es ein wie immer geartetes Interesse an Regionalgeschichte, das mich antreibt, ein Interesse an den gewöhnlichen Menschen in ihrem unaufregenden Leben? Eine Neugier an der Beschränktheit des Blicks, der Bedeutungslosigkeit des Seins?</p>

<p>In der Schweiz gibt es in vielen Orten das Unterfangen, der Gemeinde eine Chronik anzulegen, meist dicke, langweilig geschriebene Wälzer, die Ehrfurcht vor der Gewordenheit und Grösse einer ganz normalen Siedlung vermitteln soll, die wenig Kultur, dafür aber Geschichte besitzt. In diesen stöbere ich gerne und bleibe dann an völlig abstrusen Details hängen, möchte mehr darüber wissen, finde aber keine Quellen. Es gibt nur diese älteren Herren mit Schnauz, die Chronisten, die vor Bedeutsamkeit ihre Brust und Stimme aufschwellen lassen und nicht wissen was tun mit dem chronischen Stolz auf sich selbst. Sie eingehend zu befragen oder auch nur zu kontaktieren, ist mir zutiefst zuwider. Lieber lasse ich Verstand und Phantasie an meinem Gegenstand abarbeiten.</p>

<p>Aber warum das Interesse an der Geschichte, die sich unspektakulär in die der Region, ja des Landes einfügt. Dieser eine Ort, an dem ich nun seit mehr als zwei Jahren lebe, kniet weihevoll vor sich selbst nieder, wenn er auf seine (meist unreflektierte) Geschichte blickt. Scheinheilige Ehrfurcht vor ihr, denn nicht wirklich interessiert sie. Aber sie ist wie eine Bibel, mehr noch: wie eine Reliquie:</p>

<blockquote><p>Eine Ausgabe liegt in der Bibliothek S. zum Anfassen und Bestaunen auf und kann je nach Verfügbarkeit ausgeliehen werden.</p></blockquote>

<p>So vermerkt man auf der <a href="https://www.sirnach.ch/de/politik/portraet/chronik.html/513">Website dieses Ortes.</a> Und das Vorwort beginnt mit einem Standardsatz, den wir so schon so oft gelesen haben und wahrscheinlich belustigt den Kopf geschüttelt haben:</p>

<blockquote><p>Landschaft und Klima gestalten den Menschen und dessen
Kultur.</p></blockquote>

<p>Das ist Geschichte, die Ehrfurcht vermitteln soll, die so tut, als ob sie objektiv und vom Schicksal verfügt wäre, nicht bloss eine Interpretation oder allerhöchstens die Annäherung an die Wahrheit. Wir verbeugen uns also <em>mit Ehrfurcht</em> vor dem Schicksal, der Landschaft und dem Klima, wenn wir von der Geschichte eines Ortes sprechen, nicht vor der Mühewaltung um Wahrheit.</p>

<p>Geht es mir bei meinen Artikeln vielleicht gar nicht so sehr um Geschichte als vielmehr um das Erzählen einer Geschichte? Will ich nicht eigentlich selbst etwas schaffen, als nur Chronist oder Heimatkundler zu sein? Ich finde die Antwort mit einem Male im Begriff des Genius loci, dem Geist, dem Spirit eines Ortes wieder:</p>

<blockquote><p>In diesem Sinne ist der genius loci ein Konstrukt, in dem Wissen, Erinnerung, Wahrnehmung und Deutung als interpretative Leistung des menschlichen Geistes verschmelzen.
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genius_loci">Wikipedia: Genius Loci.</a></p></blockquote>

<p>Und um das wird es wohl gehen, um die Erschaffung einer zweiten Welt, die mit der greifbaren underforschbaren in einem unmittelbaren Zusammenhang steht. Hier geht es um einen schöpferischen Akt und die Freude an dem neu Geschaffenen.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/006-genius-loci</guid>
      <pubDate>Thu, 05 May 2022 08:05:45 +0000</pubDate>
    </item>
  </channel>
</rss>