<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
  <channel>
    <title>Erinnerung &amp;mdash; Zettelwerk</title>
    <link>https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung</link>
    <description>Notizen eines Fiktionauten.</description>
    <pubDate>Mon, 27 Apr 2026 06:56:44 +0000</pubDate>
    <image>
      <url>https://i.snap.as/aM4jw2DK.jpg</url>
      <title>Erinnerung &amp;mdash; Zettelwerk</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung</link>
    </image>
    <item>
      <title>064 Ereignishorizont - NaNoWriMo22, Tag 13 und 14</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/064-ereignishorizont-nanowrimo-tag-13-und-14?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Plötzlich habe ich im Denken und Empfinden eine Grenze überschritten: beim Thema Informationsparadoxon. Wie wäre es tatsächlich, nicht mehr auf die Erinnerung vertrauen zu können?&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ja natürlich, ich weiss schon, dass man:frau immer ein bisschen skeptisch sein sollte in bezug darauf, was man erinnert, was man vergisst und was man plötzlich wieder erinnert. Man darf dies nicht eins zu eins in die sgn. Wahrheit einer Maschine übersetzen. Wovor ich aber tatsächlich Angst habe, ist es, wenn die in mir gespeicherten Erinnerungen/Informationen tatsächlich zufällig wären und nichts mehr mit dem zu tun haben, was mir in meinem Leben wichtig war und wichtig ist. Wie wäre es, keine Erinnerung zu haben und damit auch keine Vergangenheit? In einer völligen Anamnese sich zu befinden oder in zufällig generierten Erinnerungen, die nichts mehr mit dem eigenen Leben zu tun haben.&#xA;&#xA;Ein Film auf Netflix über Schwarze Löcher wirft dieses Thema auf. Wenn wir uns also nicht sicher sein können, ob Informationen in dieser Welt verloren gehen (wie die Quantenphysik behauptet), dann können wir uns auch nicht sicher sein, ob unsere Erinnerungen vollständig sind und unsere Vergangenheit valide ist. Unsere ganze Existenz ist damit in Frage gestellt. Die Schwarzen Löcher, die alles verschlucken, was sich über ihren Ereignishorizont gewagt hat, weigern sich möglicherweise hartnäckig, den bis dahin gültigen physikalischen Gesetzen zu entsprechen. Das macht manche Wissenschafter verrückt, und verunsichert Menschen mit wenig Phantasie zutiefst. Uns SciFi-Autor:innen sollte dieser Sachverhalt aber nicht nur zu denken, sondern auch zu schreiben geben. Der Gedanke könnte durchaus bereichernd sein, ihn in eine Geschichte zu kleiden durchaus spannend.&#xA;&#xA;Ein wenig versuche ich das im Romanprojekt Allaine. Bei der Stasis (=dem Tiefschlaf), die ich der Mannschaft eines Raumschiffs &#34;verordnet&#34; habe, weil es den 4.367 Lichtjahre langen Weg von der Erde nach Alpha Centauri zurücklegen muss, werden 140 Lebensjahre im Tiefschlaf verschluckt So lange dauert nämlich der Flug des Raumschiffs zum Zielort. Zwei Fragen tun sich auf: Wie &#34;füllt&#34; man einen Erinnerungshorizont  von Menschen, die sich auf eine derartige Reise begeben haben? Man kann diese doch nicht ohne Erinnerung lassen, nach so vielen Jahren der Leere! Und was passiert in der Stase mit dem Erinnerungsvermögen, welche Störungen erfährt es durch eine lange Ruhezeit: ja welche Störungen erfährt der gesamte Körper, die Psyche, das soziale Verhalten? Kann denn Erinnerung sich am Leben erhalten, ohne ständig genährt und bereichert zu werden? Welchen Traum darf man dem Schlafenden zutrauen?&#xA;&#xA;Diese Fragen interessieren mich sehr. In meinem Roman stelle ich auch die Fragen: Was bringt man diesen Menschen bei, die als Pioniere eine eigene &#34;Heldengeschichte&#34; aufweisen müssen, schon im Interesse des Mythos der Errichtung einer neuen Zivilisation ? Was lernen sie an ideologischen Versatzstücken angesichts jener Vergangenheit, die sie nicht bewusst erinnern können und die, künstlich implementiert, nun zu ihrer Erinnerung wird? Wer schreibt den Heldenmythos eines im Weltraum dahintreibenden Schiffes? Denn es braucht ihn unbedingt, angesichts der Leere eines stummen Nichts, in dem man dahintreibt und auch angesichts der Leere eines noch nie von Menschen besiedelten Planeten.&#xA;&#xA;#Schreibarbeit #nanowrimo #Erinnerung #Ereignishorizont #Netflix #SchwarzeLöcher #Film #Allaine #Weltraum]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Plötzlich habe ich im Denken und Empfinden eine Grenze überschritten: beim Thema Informationsparadoxon. Wie wäre es tatsächlich, nicht mehr auf die Erinnerung vertrauen zu können?</p>



<p>Ja natürlich, ich weiss schon, dass man:frau immer ein bisschen skeptisch sein sollte in bezug darauf, was man erinnert, was man vergisst und was man plötzlich wieder erinnert. Man darf dies nicht eins zu eins in die sgn. Wahrheit einer Maschine übersetzen. Wovor ich aber tatsächlich Angst habe, ist es, wenn die in mir gespeicherten Erinnerungen/Informationen tatsächlich zufällig wären und nichts mehr mit dem zu tun haben, was mir in meinem Leben wichtig war und wichtig ist. Wie wäre es, keine Erinnerung zu haben und damit auch keine Vergangenheit? In einer völligen Anamnese sich zu befinden oder in zufällig generierten Erinnerungen, die nichts mehr mit dem eigenen Leben zu tun haben.</p>

<p>Ein Film auf Netflix über Schwarze Löcher wirft dieses Thema auf. Wenn wir uns also nicht sicher sein können, ob Informationen in dieser Welt verloren gehen (wie die Quantenphysik behauptet), dann können wir uns auch nicht sicher sein, ob unsere Erinnerungen vollständig sind und unsere Vergangenheit valide ist. Unsere ganze Existenz ist damit in Frage gestellt. Die Schwarzen Löcher, die alles verschlucken, was sich über ihren Ereignishorizont gewagt hat, weigern sich möglicherweise hartnäckig, den bis dahin gültigen physikalischen Gesetzen zu entsprechen. Das macht manche Wissenschafter verrückt, und verunsichert Menschen mit wenig Phantasie zutiefst. Uns SciFi-Autor:innen sollte dieser Sachverhalt aber nicht nur zu denken, sondern auch zu schreiben geben. Der Gedanke könnte durchaus bereichernd sein, ihn in eine Geschichte zu kleiden durchaus spannend.</p>

<p>Ein wenig versuche ich das im Romanprojekt Allaine. Bei der Stasis (=dem Tiefschlaf), die ich der Mannschaft eines Raumschiffs “verordnet” habe, weil es den 4.367 Lichtjahre langen Weg von der Erde nach Alpha Centauri zurücklegen muss, werden 140 Lebensjahre im Tiefschlaf verschluckt So lange dauert nämlich der Flug des Raumschiffs zum Zielort. Zwei Fragen tun sich auf: Wie “füllt” man einen Erinnerungshorizont  von Menschen, die sich auf eine derartige Reise begeben haben? Man kann diese doch nicht ohne Erinnerung lassen, nach so vielen Jahren der Leere! Und was passiert in der Stase mit dem Erinnerungsvermögen, welche Störungen erfährt es durch eine lange Ruhezeit: ja welche Störungen erfährt der gesamte Körper, die Psyche, das soziale Verhalten? Kann denn Erinnerung sich am Leben erhalten, ohne ständig genährt und bereichert zu werden? Welchen Traum darf man dem Schlafenden zutrauen?</p>

<p>Diese Fragen interessieren mich sehr. In meinem Roman stelle ich auch die Fragen: Was bringt man diesen Menschen bei, die als Pioniere eine eigene “Heldengeschichte” aufweisen müssen, schon im Interesse des Mythos der Errichtung einer neuen Zivilisation ? Was lernen sie an ideologischen Versatzstücken angesichts jener Vergangenheit, die sie nicht bewusst erinnern können und die, künstlich implementiert, nun zu ihrer Erinnerung wird? Wer schreibt den Heldenmythos eines im Weltraum dahintreibenden Schiffes? Denn es braucht ihn unbedingt, angesichts der Leere eines stummen Nichts, in dem man dahintreibt und auch angesichts der Leere eines noch nie von Menschen besiedelten Planeten.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:nanowrimo" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">nanowrimo</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erinnerung</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ereignishorizont" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ereignishorizont</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Netflix" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Netflix</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:SchwarzeL%C3%B6cher" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">SchwarzeLöcher</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Film" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Film</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Weltraum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Weltraum</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/064-ereignishorizont-nanowrimo-tag-13-und-14</guid>
      <pubDate>Mon, 14 Nov 2022 19:53:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>042 Variationen zum Fensterkucker</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/040-variationen-zum-fensterkucker?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Ein Feuerwerk des Gehirns, der Emotionen und der Erinnerungen.&#xA;&#xA;Es begann damit, dass ich auf das Fenster einer lehmverschmierten Holzhütte blickte. Sie stand im Pfahlbaudorf in Unteruhldingen am Bodensee. Mich hatte daran begeistert, wie man dünne Tierhaut (geschabt, gespannt und getrocknet) über dem Fensterrahmen aus Holz befestigt hatte. Steinzeitliches Glas! Die Haut war lichtdurchlässig und winddicht und das Fenster eine Sensation! Ein Foto davon wollte ich auf Mastodon posten und dachte deshalb über einen griffigen Titel nach: &#34;Der Fensterkucker?&#34; Da begannen Erinnerungen wach zu werden.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;In den Sechziger Jahren hatte man im österreichischen Fernsehen die Serie &#34;Der Fensterkucker&#34; ins Leben gerufen, eine Sendung, die nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges die Selbstfindung Österreichs in der Zweiten Republik unterstützen sollte. In launigem Tonfall sollten das &#34;Inventar&#34; einer Nation seinen Bürgern nahegebracht werden. Eine Sendung mit  Bildungsauftrag also, welche von Porträts über österreichische Bauwerke, Städte, Landschaften und das ÖsterreicherIn-Sein räsonierte. Das wuchs sich manchmal sogar zu essayistischen Filmen aus, die so schlecht nicht waren. Kritik an den Zuständen war natürlich verpönt und die Autorität des mit sonorer Stimme sich präsentierenden Erzählers blieb stets unangefochten. So ging man damals mit den Bürgern gerne um: launig aber mit unanfechtbaren Wahrheiten, die zu akzeptieren waren. Um den staatspolitischen Auftrag der Sendung besonders zu unterstreichen, wurde im Vorspann die Steinbüste von Meister Pilgram, einem der Baumeister der Wiener Stephanskirche gezeigt, begleitet von einem sehr erbaulichen Adagio eines Komponisten aus dem Barock namens Pietro Nardini. Die Wirkung war imposant und legte sich in mein Gedächtnis wie eine Arabeske.&#xA;&#xA;Ich sass vor dem Schwarz-Weiss-Fernseher meiner Grossmutter, der durch eine Erbschaft finanziert worden war und war hin und weg. Das war meine erste Begegnung mit klassischer Kunst, Musik, mit Kultur überhaupt, die so unerhört wichtig erschien, wurde sie doch so gewichtig und feierlich vorgetragen, im Tonfall einer Veranstaltung am Nationalfeiertag. Noch heute fühle ich beim Anhören des Stückes von Nardini eine Gänsehaut über meine Arme laufen: sie ist noch immer Erbauung genug!&#xA;&#xA;So viel staatsbürgerlicher Würde! Konnte sie langfristig bei mir Wirkung zeigen? Mitnichten!&#xA;&#xA;Denn die Sechzigerjahre meiner Kindheit waren nicht nur ein Hort konservativer Restauration, sondern auch eine Zeit des heftigen Protests dagegen. Und es gab andere Fensterkucker, die das Leben der Heranwachsenden viel mehr beeinflussten. Ein Kurzfilm des Wiener Enfant Terrible, Kurt Kren, aus dem Jahr 1962 mit dem Titel 5/62 Fensterkucker, Abfall etc. zerhackt die Bilder von Wiener Voyeuren  beiderlei Geschlechts in unbarmherzigen Schnitten, richtet das Objektiv dann auf die Hände von Passanten, um dann im herumliegenden Müll zu sondieren. Der Fensterkucker stürzt also von der Höhe der Kultur eines Landes in die Niederungen von Voyeurismus und Niedertracht.&#xA;&#xA;In unserer Entwicklung in Frage gestellt haben sie uns beide: die Kultur, weil sie für die Befindlichkeit eines Arbeiterkindes kaum Verständnis hatte und die Unkultur, weil diese uns stets dort haben wollte, wo wir infantil und ignorant bleiben sollten.&#xA;&#xA;#MiniEssay #Film #Erinnerung]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Feuerwerk des Gehirns, der Emotionen und der Erinnerungen.</strong></p>

<p>Es begann damit, dass ich auf das Fenster einer lehmverschmierten Holzhütte blickte. Sie stand im Pfahlbaudorf in Unteruhldingen am Bodensee. Mich hatte daran begeistert, wie man dünne Tierhaut (geschabt, gespannt und getrocknet) über dem Fensterrahmen aus Holz befestigt hatte. Steinzeitliches Glas! Die Haut war lichtdurchlässig und winddicht und das Fenster eine Sensation! Ein Foto davon wollte ich auf Mastodon posten und dachte deshalb über einen griffigen Titel nach: “Der Fensterkucker?” Da begannen Erinnerungen wach zu werden.</p>



<p>In den Sechziger Jahren hatte man im österreichischen Fernsehen die Serie “Der Fensterkucker” ins Leben gerufen, eine Sendung, die nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges die Selbstfindung Österreichs in der Zweiten Republik unterstützen sollte. In launigem Tonfall sollten das “Inventar” einer Nation seinen Bürgern nahegebracht werden. Eine Sendung mit  Bildungsauftrag also, welche von Porträts über österreichische Bauwerke, Städte, Landschaften und das ÖsterreicherIn-Sein räsonierte. Das wuchs sich manchmal sogar zu essayistischen Filmen aus, die so schlecht nicht waren. Kritik an den Zuständen war natürlich verpönt und die Autorität des mit sonorer Stimme sich präsentierenden Erzählers blieb stets unangefochten. So ging man damals mit den Bürgern gerne um: launig aber mit unanfechtbaren Wahrheiten, die zu akzeptieren waren. Um den staatspolitischen Auftrag der Sendung besonders zu unterstreichen, wurde im Vorspann die Steinbüste von Meister Pilgram, einem der Baumeister der Wiener Stephanskirche gezeigt, begleitet von einem sehr erbaulichen Adagio eines Komponisten aus dem Barock namens Pietro Nardini. Die Wirkung war imposant und legte sich in mein Gedächtnis wie eine Arabeske.</p>

<p>Ich sass vor dem Schwarz-Weiss-Fernseher meiner Grossmutter, der durch eine Erbschaft finanziert worden war und war hin und weg. Das war meine erste Begegnung mit klassischer Kunst, Musik, mit Kultur überhaupt, die so unerhört wichtig erschien, wurde sie doch so gewichtig und feierlich vorgetragen, im Tonfall einer Veranstaltung am Nationalfeiertag. Noch heute fühle ich beim Anhören des Stückes von Nardini eine Gänsehaut über meine Arme laufen: sie ist noch immer Erbauung genug!</p>

<p>So viel staatsbürgerlicher Würde! Konnte sie langfristig bei mir Wirkung zeigen? Mitnichten!</p>

<p>Denn die Sechzigerjahre meiner Kindheit waren nicht nur ein Hort konservativer Restauration, sondern auch eine Zeit des heftigen Protests dagegen. Und es gab andere Fensterkucker, die das Leben der Heranwachsenden viel mehr beeinflussten. Ein Kurzfilm des Wiener Enfant Terrible, Kurt Kren, aus dem Jahr 1962 mit dem Titel <em>5/62 Fensterkucker, Abfall etc.</em> zerhackt die Bilder von Wiener Voyeuren  beiderlei Geschlechts in unbarmherzigen Schnitten, richtet das Objektiv dann auf die Hände von Passanten, um dann im herumliegenden Müll zu sondieren. Der Fensterkucker stürzt also von der Höhe der Kultur eines Landes in die Niederungen von Voyeurismus und Niedertracht.</p>

<h2 id="in-unserer-entwicklung-in-frage-gestellt-haben-sie-uns-beide-die-kultur-weil-sie-für-die-befindlichkeit-eines-arbeiterkindes-kaum-verständnis-hatte-und-die-unkultur-weil-diese-uns-stets-dort-haben-wollte-wo-wir-infantil-und-ignorant-bleiben-sollten" id="in-unserer-entwicklung-in-frage-gestellt-haben-sie-uns-beide-die-kultur-weil-sie-für-die-befindlichkeit-eines-arbeiterkindes-kaum-verständnis-hatte-und-die-unkultur-weil-diese-uns-stets-dort-haben-wollte-wo-wir-infantil-und-ignorant-bleiben-sollten">In unserer Entwicklung in Frage gestellt haben sie uns beide: die Kultur, weil sie für die Befindlichkeit eines Arbeiterkindes kaum Verständnis hatte und die Unkultur, weil diese uns stets dort haben wollte, wo wir infantil und ignorant bleiben sollten.</h2>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MiniEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MiniEssay</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Film" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Film</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erinnerung</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/040-variationen-zum-fensterkucker</guid>
      <pubDate>Tue, 11 Oct 2022 03:08:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>TAGS</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/tags?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[.A | #Ailantd #Allaine #AlteLeut #AnnetteDrosteHülshoff #ArtemisMission #Asyl &#xA;.B | #Bibel #Bodensee #GerdaBlees #RuthBlum #HazelBrugger #BuchWien #OctaviaEButler&#xA;.C | #CaptionYourMedia #Chtuluzän&#xA;.D | #Demiurg&#xA;.E | #Erinnerung #Ereignishorizont #AnnieErnaux #EU&#xA;.F | #Fediverse #Figurenkabinett #Fiktiokratie #Fiktionaut #Film #FondationBeyeler #MichelFoucault #Fundstücke #Fungi&#xA;.G | #Gaming #GeniusLoci #Grenzen #Grid&#xA;.I | #Inclusion #Ittingen&#xA;.J | #JavierTellez #Jura&#xA;.K | #Klettgau #Klimakatastrophe #Kunst #Landscaping&#xA;.L |  #Legenden #Literatur #Logseq&#xA;.M | #Mastodon #MikroLiteratur #MikroEssay#MiniEssay #PietMondrian #Mykorhizom&#xA;.N |  #Narrenschiff #Neuhier #nanowrimo #NMS #Netflix&#xA;.O |  #OpenSimulator #Orion&#xA;.P | #PoetrySlam #PostAnthropzän #Psychonaut&#xA;.R | #RomanprojektEarthseed&#xA;.S | #Schreibarbeit #SchwarzeLöcher #Scrivener #SigridUndstet #Software #Solarpunk #Sonne #Sonnenfinsternis #Eklipse&#xA;.T | #Tomasino #Trias #Twitter&#xA;.V | #VirtuelleWelt #Voyeurismus&#xA;.W | #WalktheDog #Weltraum #WriteTrack #WritingMonth24&#xA;.Z | #ZeppelinMuseum&#xA;&#xA; ]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>.A</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ailantd" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ailantd</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AlteLeut" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AlteLeut</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AnnetteDrosteH%C3%BClshoff" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AnnetteDrosteHülshoff</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:ArtemisMission" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ArtemisMission</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Asyl" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Asyl</span></a>
<strong>.B</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Bibel" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bibel</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Bodensee" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Bodensee</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GerdaBlees" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GerdaBlees</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:RuthBlum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">RuthBlum</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:HazelBrugger" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">HazelBrugger</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:BuchWien" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">BuchWien</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:OctaviaEButler" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">OctaviaEButler</span></a>
<strong>.C</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:CaptionYourMedia" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">CaptionYourMedia</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Chtuluz%C3%A4n" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Chtuluzän</span></a>
<strong>.D</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Demiurg" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Demiurg</span></a>
.<strong>E</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erinnerung</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ereignishorizont" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ereignishorizont</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AnnieErnaux" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AnnieErnaux</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:EU" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">EU</span></a>
.<strong>F</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fediverse" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fiktiokratie" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fiktiokratie</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fiktionaut" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fiktionaut</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Film" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Film</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:FondationBeyeler" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">FondationBeyeler</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MichelFoucault" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MichelFoucault</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fundst%C3%BCcke" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fundstücke</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Fungi" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Fungi</span></a>
.<strong>G</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Gaming" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Gaming</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:GeniusLoci" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">GeniusLoci</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Grenzen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Grenzen</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Grid" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Grid</span></a>
<strong>.I</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Inclusion" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Inclusion</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Ittingen" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Ittingen</span></a>
.<strong>J</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:JavierTellez" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">JavierTellez</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Jura" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Jura</span></a>
.<strong>K</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klimakatastrophe" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klimakatastrophe</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Kunst" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Kunst</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Landscaping" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Landscaping</span></a>
.<strong>L</strong> |  <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Legenden" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Legenden</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Literatur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Literatur</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Logseq" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Logseq</span></a>
.<strong>M</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Mastodon" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MikroLiteratur" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MikroLiteratur</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MikroEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MikroEssay</span></a><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:MiniEssay" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">MiniEssay</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:PietMondrian" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">PietMondrian</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a>
.<strong>N</strong> |  <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Narrenschiff" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Narrenschiff</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Neuhier" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Neuhier</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:nanowrimo" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">nanowrimo</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:NMS" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">NMS</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Netflix" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Netflix</span></a>
<strong>.O</strong> |  <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:OpenSimulator" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">OpenSimulator</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Orion" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Orion</span></a>
.<strong>P</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:PoetrySlam" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">PoetrySlam</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:PostAnthropz%C3%A4n" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">PostAnthropzän</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Psychonaut" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Psychonaut</span></a>
.<strong>R</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:RomanprojektEarthseed" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">RomanprojektEarthseed</span></a>
.<strong>S</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:SchwarzeL%C3%B6cher" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">SchwarzeLöcher</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Scrivener" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Scrivener</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:SigridUndstet" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">SigridUndstet</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Software" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Software</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Solarpunk" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Solarpunk</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Sonne" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Sonne</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Sonnenfinsternis" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Sonnenfinsternis</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Eklipse" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Eklipse</span></a>
<strong>.T</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Tomasino" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Tomasino</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Trias" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Trias</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Twitter" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a>
<strong>.V</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:VirtuelleWelt" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">VirtuelleWelt</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Voyeurismus" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Voyeurismus</span></a>
.<strong>W</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WalktheDog" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WalktheDog</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Weltraum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Weltraum</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WriteTrack" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WriteTrack</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WritingMonth24" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WritingMonth24</span></a>
.<strong>Z</strong> | <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:ZeppelinMuseum" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">ZeppelinMuseum</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/tags</guid>
      <pubDate>Fri, 06 May 2022 07:41:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>008 Die Geister der Kindheit</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/008-die-geister-der-kindheit?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Die Geister der Kindheit sitzen machmal an einem kleinen, unscheinbaren Bach mit schattigen Bäumen, direkt hinter dem hohen Turm einer Landwirtschaftsgenossenschaft.&#xA;&#xA;Heute, im Klettgau.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Hier ist man nass geworden, hat den Bach an einer inzwischen verloren gegangenen Schleuse aufgestaut, ist im Gras gelegen, hat vor sich hingeträumt. Hier war man von der Mühsal und Tristesse des Elternhauses befreit, ist spielend und singend und die Landschaft in sich aufnehmend ein erwachsender Mensch geworden. Man durfte wild sein und schmutzig und voller krauser Ideen: das wurde zuhause akzeptiert. Man war anders als die anderen. Als eine Freundin ins Wasser fiel, hatte es diese nicht gewagt, nach Hause zurückzukehren. Zu gross war die Angst vor dem Verdruss gewesen, der dort auf sie wartete. Das hatte man selbst nie erlebt.&#xA;&#xA;Selten wussten die Eltern, wo man sich herumtrieb. Sie hatten Wichtigeres zu tun, als dem Kind die Kindheit zu rauben oder hinter ihm herzuschnauben. Ein Dorf, das bis heute sich nicht sehr verändert hat: mit einer Trinkerin (vor deren Messer man sich fürchtete), einer Verrückten (&#34;der Ungarin&#34;) und einer verkappten Prostituierten (die in der nächsten Stadt ihrem Gelegenheitsgewerbe nachging). Daran konnte man sich bis heute, 50 Jahre danach, erinnern. Das waren die Charaktere des Dorfes, die Eindruck machten.&#xA;&#xA;Mit dem Leiterwagen ist das Kind machmal losgezogen, auf dem Hammer und Meissel lagen, mit einem Haufen von Versteinerungen ist es nach Hause zurückgekehrt und anderen bemerkenswerten Fundstücken. Wo diese verlorengegangen sind, weiss man bis heute nicht. In Vielem lag jedenfalls ein Zauber. Von diesen Geistern hatten die Erwachsenen nichts geahnt.&#xA;&#xA;Vielleicht war es auch so, wie es sich bei der grossen Annette Droste-Hülshoff vor 200 Jahren begab, die, ebenfalls die Versteinerungen ihrer Umgebung sammelnd, ebenfalls ein Stück weit ihrer Einsamkeit und Besonderheit entkam. In ihrem Gedicht &#34;Die Mergelgrube&#34; schreibt die Droste von dem Zustand, in einer Blase der Glückseligkeit gefangen zu sein:&#xA;&#xA;  Tief in&#39;s Gebröckel, in die Mergelgrube&#xA;  War ich gestiegen, denn der Wind zog scharf;&#xA;  Dort saß ich seitwärts in der Höhlenstube,&#xA;  Und horchte träumend auf der Luft Geharf.&#xA;&#xA;Als ich ihr von diesem Gedicht erzähle, kommen Tränen.&#xA;&#xA;#Erinnerung #Klettgau #AnnetteDrosteHülshoff]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Geister der Kindheit sitzen machmal an einem kleinen, unscheinbaren Bach mit schattigen Bäumen, direkt hinter dem hohen Turm einer Landwirtschaftsgenossenschaft.</strong></p>

<p>Heute, im Klettgau.</p>



<p>Hier ist man nass geworden, hat den Bach an einer inzwischen verloren gegangenen Schleuse aufgestaut, ist im Gras gelegen, hat vor sich hingeträumt. Hier war man von der Mühsal und Tristesse des Elternhauses befreit, ist spielend und singend und die Landschaft in sich aufnehmend ein erwachsender Mensch geworden. Man durfte wild sein und schmutzig und voller krauser Ideen: das wurde zuhause akzeptiert. Man war anders als die anderen. Als eine Freundin ins Wasser fiel, hatte es diese nicht gewagt, nach Hause zurückzukehren. Zu gross war die Angst vor dem Verdruss gewesen, der dort auf sie wartete. Das hatte man selbst nie erlebt.</p>

<p>Selten wussten die Eltern, wo man sich herumtrieb. Sie hatten Wichtigeres zu tun, als dem Kind die Kindheit zu rauben oder hinter ihm herzuschnauben. Ein Dorf, das bis heute sich nicht sehr verändert hat: mit einer Trinkerin (vor deren Messer man sich fürchtete), einer Verrückten (“der Ungarin”) und einer verkappten Prostituierten (die in der nächsten Stadt ihrem Gelegenheitsgewerbe nachging). Daran konnte man sich bis heute, 50 Jahre danach, erinnern. Das waren die Charaktere des Dorfes, die Eindruck machten.</p>

<p>Mit dem Leiterwagen ist das Kind machmal losgezogen, auf dem Hammer und Meissel lagen, mit einem Haufen von Versteinerungen ist es nach Hause zurückgekehrt und anderen bemerkenswerten Fundstücken. Wo diese verlorengegangen sind, weiss man bis heute nicht. In Vielem lag jedenfalls ein Zauber. Von diesen Geistern hatten die Erwachsenen nichts geahnt.</p>

<p>Vielleicht war es auch so, wie es sich bei der grossen Annette Droste-Hülshoff vor 200 Jahren begab, die, ebenfalls die Versteinerungen ihrer Umgebung sammelnd, ebenfalls ein Stück weit ihrer Einsamkeit und Besonderheit entkam. In ihrem Gedicht “Die Mergelgrube” schreibt die Droste von dem Zustand, in einer Blase der Glückseligkeit gefangen zu sein:</p>

<blockquote><p>Tief in&#39;s Gebröckel, in die Mergelgrube
War ich gestiegen, denn der Wind zog scharf;
Dort saß ich seitwärts in der Höhlenstube,
Und horchte träumend auf der Luft Geharf.</p></blockquote>

<p>Als ich ihr von diesem Gedicht erzähle, kommen Tränen.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Erinnerung" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Erinnerung</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Klettgau" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Klettgau</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:AnnetteDrosteH%C3%BClshoff" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">AnnetteDrosteHülshoff</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/008-die-geister-der-kindheit</guid>
      <pubDate>Thu, 05 May 2022 08:07:42 +0000</pubDate>
    </item>
  </channel>
</rss>