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    <title>Schreibarbeit &amp;mdash; Zettelwerk</title>
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    <description>Notizen eines Fiktionauten.</description>
    <pubDate>Sat, 15 Aug 2026 18:25:50 +0000</pubDate>
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      <title>Schreibarbeit &amp;mdash; Zettelwerk</title>
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      <title>073 Figurenkabinett 06: Biostras</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Der Begriff Biostras bezeichnet die Gruppe der Astrobiologen, die auf einem der in meinem Roman genannten Raumschiffe reisen, vielleicht zwei bis drei Personen. Einerseits bedienen sie die Terrasphärenkammer des Raumschiffs, um die Passagiere auf ihren langen Reisen Gelegenheit zur Orientierung in ihrem Menschsein zu geben. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Denn das Leben und Wachsen und sich Verändern von Natur ausserhalb des Menschen ist Teil seiner Menschlichkeit und seiner Identität. Das schien, zumindest zu Beginn, einer der Glaubenssätze von Earthseed zu sein. Dadurch, dass die Asche der Urmutter Laura Olamina auf einem der Raumschiffe mitgeführt wird, erhält diese Hypothese auch eine zusätzliche, fast religiös verbrämte Bedeutung. Laut Testament wurde sie im Biotop des Raumschiffes verbracht, um die &#34;neue Saat&#34;  pflanzen: &#34;Heilige Erde, heilige Pflanzen!&#34;. Originalzitat:&#xA;&#xA;  I will go with the first ship to leave after my death. If I thought I could survive as something other than a burden, I would go on this one, alive. No matter. Let them someday use my ashes to fertilize their crops. Let them do that. It&#39;s arranged. I&#39;ll go and they will give me to their orchards and their groves. (S.833)&#xA;&#xA;Werden jene Pflanzen verzehrt, die ursprünglich mit der Asche der Grossen Mutter gepflanzt wurden, so nimmt man auch den Geist der Schriften und den Geist der Seherin in sich auf. Damit wird der Verzehr von derart verzehrten Pflanzen zum Heiligen Akt, zur Affirmation von Earthseed auf einer spirituellenn Ebene.&#xA;&#xA;So werden die Astrobiologen zu Hohepriester:innen von Earthseed. Sie werden zum Bestandteil einer säkularisierten Religion und ersetzen mit ihrer Ideologie den Nutzeffekt von Natur für Erholung und Entspannung durch naturreligiöser Aufladung. Die terrestrische Natur darf nicht sterben, auch wenn sie im Weltraum keine Chance auf eine Fortführung in ihren ursprünglichen Charakteristik hat. Denn wenn die terrestrische Natur stirbt, stirbt auch ein Teil der sozialen Natur des Menschen. Und was könnte sie dann ersetzen? Eng verknüpft sich dieser Glaube mit dem Ritual, das mit der Bewimperten Blutsphäre tradiert wird. Damit wird auch der Schöpfer dieser Hybridpflanze in die Handlung eingeführt. Sein Name ist Aleks Sajdar.&#xA;&#xA;Die Aufgabe der Biostras besteht zunächst darin, für das Überleben bestimmter Pflanzen und Tiergattungen im Raumschiff zu sorgen und bestimmte Gemüse- und Obstsorten anzupflanzen. Dafür sind sie einem strengen Regelwerk verpflichtet.  Andrerseits sind sie auch für die Erforschung von Leben im Weltraum und hier vor allem auf Exoplaneten zuständig. Der Status der Biostras ist heilig, ihr Überleben auf der langen Reise nach dem des Kapitäns und der Offiziere ist deshalb von höchster Priorität. Sie sind quasi unantastbar und müssen sich während des gesamten Raumflüges beim Monitoring der Prozesse in der Terrasphärenkammer abwechseln. Das bedeutet, dass sie am Ende der Reise im Vergleich zur restlichen Besatzung deutlich gealtert sind. Einige von ihnen opfern so durch ihr häufiges Wachsein und ihre Sorge für die Pflanzenwelt ihr Leben.&#xA;&#xA;Noch eine andere Idee, zur Bedeutung der Biologie natürlich. Sie wird im engeren Sinn mit dem Earthseed Keyword &#34;Change&#34; verknüpft. Die Biologie und damit die Astrobiologie ist deutlichster Ausdruck des dem Leben zugrundeliegenden Wandels und liefert dazu alle wissenschaftlichen Begründungen. Sie ist eines der wichtigsten Referenzsysteme  des Wandels. Und weil der biologische Wandel unabwendbar ist, wird er zu Gott, daher auch die Verehrung der Biontas, die alle mit dem Wandel verbundenen Fragen zu lösen imstande sind.&#xA;&#xA;Wie aber die Biontas in einen spannenden Handelsstrang einbinden? Das geschieht wohl am besten auf jenem Raumschiff, das die Erde als drittes verlassen hat und schliesslich als das Pionierraumschiff von Earthseed gefeiert wird. Ihnen könnte auch die Verantwortung über die Untersuchung der durch die Kryostase getöteten und geschädigten Passagiere überantwortet werden. Ihre gescheiterte Verantwortung und ein misslungenes Krisenmanagement machen sie psychologisch auf eine sehr einfache Weise zu Komplizen des betrügerischen Kapitäns und zu Gegnern der Chronisten. Es findet dabei eine allgemeine Umkehrung der Positionen von Faktizität und Fiktionalität statt. Indem die Bionistas die Betrugsbemühungen des Kapitäns unterstützen und damit zu Leugner:innen und Verschleier:innen der Wahrheit werden, nehmen sie Positionen diametral zu denen der Chronisten ein, die von den Fakten zu berichten haben, in fiktionaler Weise jedoch und dem Wissensstand der erwachenden Reisenden Rechnung tragend. In einem Satz zusammengefasst kann das daraus resultierende Paradoxon auf folgende Weise beschrieben werden: Die Fiktion begründet Wahrheit, weil sie dem Menschen verpflichtet ist; die Faktizität verkehrt sich durch ihre Lückenhaftigkeit in Ideologie und letzthin in Lüge.&#xA;&#xA;Mit den Biostras wird auch das Mykorhizom eingeführt, ein Inventar der im Weltraum vorgefundenen biologischen Entitäten. Beim Zeichnen an diesem Projekt entstehen Ideen zu diesen neuen Geschöpfen, die niedergeschrieben werden: eine neue Realität wird geschaffen. In einem nächsten Schritt werden diese Pflanzen, ihre Beschreibung und ihre Relevanz für die Handlung in Allaine verortet werden. Sie sind ein wichtiger Teil des &#34;Weltenbaus&#34; geworden, konstituieren die neue Wirklichkeit des Romans. Bildnerische Gestaltung und erzählerische Arbeit fliessen so ineinander und befruchten sich gegenseitig.&#xA;&#xA;#Allaine #Mykorhizom #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Begriff Biostras bezeichnet die Gruppe der Astrobiologen, die auf einem der in meinem Roman genannten Raumschiffe reisen, vielleicht zwei bis drei Personen. Einerseits bedienen sie die Terrasphärenkammer des Raumschiffs, um die Passagiere auf ihren langen Reisen Gelegenheit zur Orientierung in ihrem Menschsein zu geben.</p>



<p>Denn das Leben und Wachsen und sich Verändern von Natur ausserhalb des Menschen ist Teil seiner Menschlichkeit und seiner Identität. Das schien, zumindest zu Beginn, einer der Glaubenssätze von Earthseed zu sein. Dadurch, dass die Asche der Urmutter Laura Olamina auf einem der Raumschiffe mitgeführt wird, erhält diese Hypothese auch eine zusätzliche, fast religiös verbrämte Bedeutung. Laut Testament wurde sie im Biotop des Raumschiffes verbracht, um die “neue Saat”  pflanzen: “Heilige Erde, heilige Pflanzen!”. Originalzitat:</p>

<blockquote><p>I will go with the first ship to leave after my death. If I thought I could survive as something other than a burden, I would go on this one, alive. No matter. Let them someday use my ashes to fertilize their crops. Let them do that. It&#39;s arranged. I&#39;ll go and they will give me to their orchards and their groves. (S.833)</p></blockquote>

<p>Werden jene Pflanzen verzehrt, die ursprünglich mit der Asche der Grossen Mutter gepflanzt wurden, so nimmt man auch den Geist der Schriften und den Geist der Seherin in sich auf. Damit wird der Verzehr von derart verzehrten Pflanzen zum Heiligen Akt, zur Affirmation von Earthseed auf einer spirituellenn Ebene.</p>

<p>So werden die Astrobiologen zu Hohepriester:innen von Earthseed. Sie werden zum Bestandteil einer säkularisierten Religion und ersetzen mit ihrer Ideologie den Nutzeffekt von Natur für Erholung und Entspannung durch naturreligiöser Aufladung. Die terrestrische Natur darf nicht sterben, auch wenn sie im Weltraum keine Chance auf eine Fortführung in ihren ursprünglichen Charakteristik hat. Denn wenn die terrestrische Natur stirbt, stirbt auch ein Teil der sozialen Natur des Menschen. Und was könnte sie dann ersetzen? Eng verknüpft sich dieser Glaube mit dem Ritual, das mit der Bewimperten Blutsphäre tradiert wird. Damit wird auch der Schöpfer dieser Hybridpflanze in die Handlung eingeführt. Sein Name ist Aleks Sajdar.</p>

<p>Die Aufgabe der Biostras besteht zunächst darin, für das Überleben bestimmter Pflanzen und Tiergattungen im Raumschiff zu sorgen und bestimmte Gemüse- und Obstsorten anzupflanzen. Dafür sind sie einem strengen Regelwerk verpflichtet.  Andrerseits sind sie auch für die Erforschung von Leben im Weltraum und hier vor allem auf Exoplaneten zuständig. Der Status der Biostras ist heilig, ihr Überleben auf der langen Reise nach dem des Kapitäns und der Offiziere ist deshalb von höchster Priorität. Sie sind quasi unantastbar und müssen sich während des gesamten Raumflüges beim Monitoring der Prozesse in der Terrasphärenkammer abwechseln. Das bedeutet, dass sie am Ende der Reise im Vergleich zur restlichen Besatzung deutlich gealtert sind. Einige von ihnen opfern so durch ihr häufiges Wachsein und ihre Sorge für die Pflanzenwelt ihr Leben.</p>

<p>Noch eine andere Idee, zur Bedeutung der Biologie natürlich. Sie wird im engeren Sinn mit dem Earthseed Keyword “Change” verknüpft. Die Biologie und damit die Astrobiologie ist deutlichster Ausdruck des dem Leben zugrundeliegenden Wandels und liefert dazu alle wissenschaftlichen Begründungen. Sie ist eines der wichtigsten Referenzsysteme  des Wandels. Und weil der biologische Wandel unabwendbar ist, wird er zu Gott, daher auch die Verehrung der Biontas, die alle mit dem Wandel verbundenen Fragen zu lösen imstande sind.</p>

<p>Wie aber die Biontas in einen spannenden Handelsstrang einbinden? Das geschieht wohl am besten auf jenem Raumschiff, das die Erde als drittes verlassen hat und schliesslich als das Pionierraumschiff von Earthseed gefeiert wird. Ihnen könnte auch die Verantwortung über die Untersuchung der durch die Kryostase getöteten und geschädigten Passagiere überantwortet werden. Ihre gescheiterte Verantwortung und ein misslungenes Krisenmanagement machen sie psychologisch auf eine sehr einfache Weise zu Komplizen des betrügerischen Kapitäns und zu Gegnern der Chronisten. Es findet dabei eine allgemeine Umkehrung der Positionen von Faktizität und Fiktionalität statt. Indem die Bionistas die Betrugsbemühungen des Kapitäns unterstützen und damit zu Leugner:innen und Verschleier:innen der Wahrheit werden, nehmen sie Positionen diametral zu denen der Chronisten ein, die von den Fakten zu berichten haben, in fiktionaler Weise jedoch und dem Wissensstand der erwachenden Reisenden Rechnung tragend. In einem Satz zusammengefasst kann das daraus resultierende Paradoxon auf folgende Weise beschrieben werden: Die Fiktion begründet Wahrheit, weil sie dem Menschen verpflichtet ist; die Faktizität verkehrt sich durch ihre Lückenhaftigkeit in Ideologie und letzthin in Lüge.</p>

<p>Mit den Biostras wird auch das Mykorhizom eingeführt, ein Inventar der im Weltraum vorgefundenen biologischen Entitäten. Beim Zeichnen an diesem Projekt entstehen Ideen zu diesen neuen Geschöpfen, die niedergeschrieben werden: eine neue Realität wird geschaffen. In einem nächsten Schritt werden diese Pflanzen, ihre Beschreibung und ihre Relevanz für die Handlung in Allaine verortet werden. Sie sind ein wichtiger Teil des “Weltenbaus” geworden, konstituieren die neue Wirklichkeit des Romans. Bildnerische Gestaltung und erzählerische Arbeit fliessen so ineinander und befruchten sich gegenseitig.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></p>
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      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/073-figurenkabinett-06-biostras</guid>
      <pubDate>Fri, 13 Jan 2023 11:36:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>072 Figurenkabinett 05: Tusk</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Dem verlogenen Kommandanten des dritten Raumschiffs von Earthseed Space, ihm habe ich bis dato noch keinen richtigen Namen gegeben. Er war ein Schreibunfall, denn plötzlich, mitten im Schreiben, in jenem Augenblick als ich seine Figur nach einem kurzen Auftauchen schon längst wieder fallen lassen wollte, entwickelte sich die Idee vom Betrug einer Zivilisation an sich selbst. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Der Kommandant, nennen wir ihn nunmehr provisorisch TUSK, wird von seine Crew aus der DiaPause vorschriftsmässig geweckt, um eine Situation zu meistern, die ausserhalb seiner Kompetenz liegt. Ein schlafendes Mädchen ist verschwunden, ein fremder Mann in den DiaPause Kammern aufgewacht. Wenig später, unmittelbar vor der Landung auf OLA, spitzt sich die Situation durch die Recherchen der Chronisten zu: die Situation droht zu eskalieren, ein Skandal bedroht das Zusammenleben an Bord und so manches gäbe es zu aufzuklären. Dann TUSKS Entschluss, sein Kommando als erstes Raumschiff der Flotte auszugeben, welches den zukünftigen Heimatplaneten erreicht hat. Schritt um Schritt erweitert TUSK das Lügengebilde zu einem Mythos der Entstehung der Zivilisation. Allein, in der Geschichte fehlt es an transparent gemachter Motivation des anonymen Kommandanten. Aus dem Nichts ist er im Roman aufgetaucht, als Nebenfigur, die schon bald wieder hätte im Nichts verschwinden sollen. Er wuchs mit der aufgetischten Lüge über sich selbst hinaus, muss also erst das Potential entwickeln, das ihn antreibt und begründet. Das ist die künftige Aufgabe des Autors.&#xA;&#xA;Was also vermag einen Kommandanten zu derartig gefährlichem Schwindel antreiben? Eine Möglichkeit bestünde darin, die Sucht nach Ruhm, Geltung und Macht eines Mannes zu befriedigen, welcher mit dem Auftrag der Wirtschaft, der Milliardäre einer aussterbenden Rasse, auf den Weg gebracht wurde, um, wo auch immer, die Interessen eines Kapitalismus durchzusetzen, der auf Erden als seine Existenzgrundlage verloren hat. Denn auch das Kapital geht am Mangel an Ressourcen zugrunde. Ein solches Szenario setzt vom Plot her zweierlei voraus: 1. Die Charakterstruktur von TUSK auch im Vorfeld des bisher Erzählten genauer zu beschreiben; 2. Die Janusköpfigigkeit der Expedition von Earthseed zu beschreiben: Aufbruch in eine neue Zivilisation zu sein und gleichzeitig die Suche für eine neue Akkumulation von Rohstoffen zu sein. Auch diese beiden Handlungsstränge müssten noch erzählt werden. Beide Vorhaben scheitern aber zwangsläufig, das Szenario führt uns nämlich in ein neues Dilemma: Denn die Erde geht zugrunde, ist wohl auch zu weit weg, um Absatzgebiet der gewonnenen Rohstoffe zu sein. Und als Zivilisation ist Earthseed zu schwach, zu bevölkerungsarm, zu bedeutungslos, um eine funktionierende Wirtschaft aufbauen zu können.&#xA;&#xA;Ein anderer Weg, die Handlungen des plötzlich für die Handlung des mit einem Mal so wichtigen Kommandanten zu erklären, läge wohl in den Logiken einer Zivilisation begründet, die sich ihren eigenen Mythos der Entstehung schaffen muss, koste es, was es wolle. Der Zwang erfolgreich zu sein, zum Wohle der Menschheit, das ist ein &#34;geheimer&#34; Auftrag, dem alle Kommandanten und Politiker:innen folgen: ein Verhalten, in dem bereits die Erosion von Earthseed angelegt wäre. Es ist etwas, was die Führungskaste der Zivilisation vertritt, im Zwang, erfolgreich zu sein. Am Kommandanten also spiegelt sich das fragwürdige Verhalten einer heilsgeschichtlich motivierten Kaste, die sich verzweifelt an die Ideologie ihrer Gründermutter fesselt. Moral verkommt im Gerede von &#34;Wandel&#34; und &#34;Zukunft in den Sternen&#34; zu billiger Münze. Allerdings: Hat sich das Earthseed der Octavia E. Butler verdient, dass so mit ihm abgerechnet wird? Wie jede Religion ist auch Butlers Konzept von Earthseed in jedem Fall kritikwürdig; es jedoch derart erodieren zu lassen, wie ich es beabsichtige, steht aber auf einem anderen Blatt.&#xA;&#xA;Kann man, was nun die dritte Möglichkeit der Darstellung ist, die Handlungen des Kommandanten allein psychologisch begründen, ihm ähnlich wie Odo eine psychopathologische Ursache zugrunde legen? Während Odo in einer Art religiösen Wahn befangen ist, könnte sich Kommandeur TUSK in die Rolle eines Grössenwahnsinnigen hineinbegeben, der mit körperlichen und psychischen Defekten als Folgen der DiaPause zu kämpfen hat. Dann aber, müsste dies auch im Vorfeld der Ereignisse so angelegt werden und von TUSKS Perspektive her geschildert werden: Was spürt er nach dem Erwachen, wie stellen sich ihm die Ereignisse das dar, wie entgleitet ihm die Kontrolle? Ein Effekt der Diapause wäre es, dass moralisch - ethische Grundsätze des Menschen zerstört werden und Effekte auftreten, wie sie bei Psychopaten (siehe HPH) beobachtbar sind. Der gesamte Roman würde dann immer mehr in die Nähe eines Romans über die möglichen Folgen der DIAPAUSE gerückt werden, auch wenn man die Logik der Suche nach Serdan im zweiten grossen Handlungsstrang berücksichtigt.&#xA;&#xA;Nun sei auch noch eine vierte Möglichkeit aufgezählt: Eine Kombination aus allen drei Erzählsträngen, mit dem Angebot an die Leser:innen, sich aussuchen zu können, was ihnen am Logischsten erscheinen mag. Auch das besässe eine gewisse Logik: den Motivationslagen setzen sich immer aus unterschiedlichsten Begründungszusammenhängen zusammen.&#xA;&#xA;#Allaine #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dem verlogenen Kommandanten des dritten Raumschiffs von Earthseed Space, ihm habe ich bis dato noch keinen richtigen Namen gegeben. Er war ein Schreibunfall, denn plötzlich, mitten im Schreiben, in jenem Augenblick als ich seine Figur nach einem kurzen Auftauchen schon längst wieder fallen lassen wollte, entwickelte sich die Idee vom Betrug einer Zivilisation an sich selbst.</p>



<p>Der Kommandant, nennen wir ihn nunmehr provisorisch TUSK, wird von seine Crew aus der DiaPause vorschriftsmässig geweckt, um eine Situation zu meistern, die ausserhalb seiner Kompetenz liegt. Ein schlafendes Mädchen ist verschwunden, ein fremder Mann in den DiaPause Kammern aufgewacht. Wenig später, unmittelbar vor der Landung auf OLA, spitzt sich die Situation durch die Recherchen der Chronisten zu: die Situation droht zu eskalieren, ein Skandal bedroht das Zusammenleben an Bord und so manches gäbe es zu aufzuklären. Dann TUSKS Entschluss, sein Kommando als erstes Raumschiff der Flotte auszugeben, welches den zukünftigen Heimatplaneten erreicht hat. Schritt um Schritt erweitert TUSK das Lügengebilde zu einem Mythos der Entstehung der Zivilisation. Allein, in der Geschichte fehlt es an transparent gemachter Motivation des anonymen Kommandanten. Aus dem Nichts ist er im Roman aufgetaucht, als Nebenfigur, die schon bald wieder hätte im Nichts verschwinden sollen. Er wuchs mit der aufgetischten Lüge über sich selbst hinaus, muss also erst das Potential entwickeln, das ihn antreibt und begründet. Das ist die künftige Aufgabe des Autors.</p>

<p>Was also vermag einen Kommandanten zu derartig gefährlichem Schwindel antreiben? Eine Möglichkeit bestünde darin, die Sucht nach Ruhm, Geltung und Macht eines Mannes zu befriedigen, welcher mit dem Auftrag der Wirtschaft, der Milliardäre einer aussterbenden Rasse, auf den Weg gebracht wurde, um, wo auch immer, die Interessen eines Kapitalismus durchzusetzen, der auf Erden als seine Existenzgrundlage verloren hat. Denn auch das Kapital geht am Mangel an Ressourcen zugrunde. Ein solches Szenario setzt vom Plot her zweierlei voraus: 1. Die Charakterstruktur von TUSK auch im Vorfeld des bisher Erzählten genauer zu beschreiben; 2. Die Janusköpfigigkeit der Expedition von Earthseed zu beschreiben: Aufbruch in eine neue Zivilisation zu sein und gleichzeitig die Suche für eine neue Akkumulation von Rohstoffen zu sein. Auch diese beiden Handlungsstränge müssten noch erzählt werden. Beide Vorhaben scheitern aber zwangsläufig, das Szenario führt uns nämlich in ein neues Dilemma: Denn die Erde geht zugrunde, ist wohl auch zu weit weg, um Absatzgebiet der gewonnenen Rohstoffe zu sein. Und als Zivilisation ist Earthseed zu schwach, zu bevölkerungsarm, zu bedeutungslos, um eine funktionierende Wirtschaft aufbauen zu können.</p>

<p>Ein anderer Weg, die Handlungen des plötzlich für die Handlung des mit einem Mal so wichtigen Kommandanten zu erklären, läge wohl in den Logiken einer Zivilisation begründet, die sich ihren eigenen Mythos der Entstehung schaffen muss, koste es, was es wolle. Der Zwang erfolgreich zu sein, zum Wohle der Menschheit, das ist ein “geheimer” Auftrag, dem alle Kommandanten und Politiker:innen folgen: ein Verhalten, in dem bereits die Erosion von Earthseed angelegt wäre. Es ist etwas, was die Führungskaste der Zivilisation vertritt, im Zwang, erfolgreich zu sein. Am Kommandanten also spiegelt sich das fragwürdige Verhalten einer heilsgeschichtlich motivierten Kaste, die sich verzweifelt an die Ideologie ihrer Gründermutter fesselt. Moral verkommt im Gerede von “Wandel” und “Zukunft in den Sternen” zu billiger Münze. Allerdings: Hat sich das Earthseed der Octavia E. Butler verdient, dass so mit ihm abgerechnet wird? Wie jede Religion ist auch Butlers Konzept von Earthseed in jedem Fall kritikwürdig; es jedoch derart erodieren zu lassen, wie ich es beabsichtige, steht aber auf einem anderen Blatt.</p>

<p>Kann man, was nun die dritte Möglichkeit der Darstellung ist, die Handlungen des Kommandanten allein psychologisch begründen, ihm ähnlich wie Odo eine psychopathologische Ursache zugrunde legen? Während Odo in einer Art religiösen Wahn befangen ist, könnte sich Kommandeur TUSK in die Rolle eines Grössenwahnsinnigen hineinbegeben, der mit körperlichen und psychischen Defekten als Folgen der DiaPause zu kämpfen hat. Dann aber, müsste dies auch im Vorfeld der Ereignisse so angelegt werden und von TUSKS Perspektive her geschildert werden: Was spürt er nach dem Erwachen, wie stellen sich ihm die Ereignisse das dar, wie entgleitet ihm die Kontrolle? Ein Effekt der Diapause wäre es, dass moralisch – ethische Grundsätze des Menschen zerstört werden und Effekte auftreten, wie sie bei Psychopaten (siehe HPH) beobachtbar sind. Der gesamte Roman würde dann immer mehr in die Nähe eines Romans über die möglichen Folgen der DIAPAUSE gerückt werden, auch wenn man die Logik der Suche nach Serdan im zweiten grossen Handlungsstrang berücksichtigt.</p>

<p>Nun sei auch noch eine vierte Möglichkeit aufgezählt: Eine Kombination aus allen drei Erzählsträngen, mit dem Angebot an die Leser:innen, sich aussuchen zu können, was ihnen am Logischsten erscheinen mag. Auch das besässe eine gewisse Logik: den Motivationslagen setzen sich immer aus unterschiedlichsten Begründungszusammenhängen zusammen.</p>

<p><a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Allaine"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Schreibarbeit"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Figurenkabinett"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></a></p>
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      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/die-lugen-von-tusk</guid>
      <pubDate>Fri, 16 Dec 2022 07:27:37 +0000</pubDate>
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      <title>071 Figurenkabinett 04: Allaine</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Allaine ist nach dem Vorbild einer Schutzmantel-Madonna konstruiert, stellt also eine spirituelle, im Kontext des Romans aber nicht christlich interpretierte nichtmaterielle &#34;Erscheinung&#34; dar. Angelehnt ist sie an die mittelalterliche Bedeutung des &#34;unter den Mantel Nehmens&#34; einer Person, die des Schutzes bedarf. Wer sich unter dem Mantel einer Hohen Frau befindet, geniesst Immunität vor weltlicher Verfolgung. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Gleichzeitig können so uneheliche Kinder während einer Trauung adoptiert werden. Gleichzeitig ist der:die Beschützte wiederum der Verfügung durch die Schutzgewährenden ausgeliefert. Allaine ist im Grunde eine solche Schutzmantel-Madonna, wird aber nie so genannt oder interpretiert. Insgesamt ist sie von grosser Bedeutung für eine der drei zentralen Figuren des Romans. Ihre Macht wird immer wieder in der Handlung spürbar, sie erklären zu wollen, ist aber kein zentrales Anliegen des Romans.&#xA;&#xA;Allaine &#34;erlöst&#34; Odo nicht einfach aus dem in sich geschlossenen System der Emanation, sondern zeigt ihm, quasi als Gegenbild, die Welt hinter den Spiegeln; sie geleitet ihn danach auf das Narrenschiff, das den See des Bewusstseins überquert und dabei untergeht. Odo aber überlebt. In einer noch unbestimmten Handlung wird sie ihn auf das dritte Expeditionsschiff nach Alpha Centauri versetzen, wo er aber aus der DiaPause erwacht und Zeuge krimineller Machenschaften wird. Ebenso mit rationalen Mitteln unerklärlich ist die Platzierung Odos auf einer Raumstation in der Zukunft, wo er von Lore Olamino aufgefunden wird. Ist Allaine gar so etwas wie eine Anomalie des Weltraums, welche das Verhältnis von Raum und Zeit verändert? Das würde für einen SciFi Roman gut passen, Allaine&#39;s Bedeutung geht aber weit über diese Erklärung hinaus. Sie ist nicht bloss physikalische Anomalie sondern metaphysisches Erklärungsmodell.&#xA;&#xA;Allaine vertritt einen absoluten Geltungsanspruch im Leben Odos. Denn sie &#34;übergibt&#34; den auf einer Raumstation Aufgefundenen an Lore Olamino. Allaine verwandelt sich quasi in sie, gibt ihr die Macht, Odo weiter in die Zukunft zu führen, wirkt nun in der anderen Frau. Nie wird sie bei all diesen Handlungen von anderen beobachtet, ihre Bedeutung und visuelle Präsenz besitzt sie nur für ihren Schützling, den anderen Personen der Handlung ist sie gänzlich unbekannt. Als unerklärliches Phänomen im Weltraum wird sie allerhöchstens betrachtet, ohne weiter nachzufragen. Unerklärliches ist &#34;normal&#34; da draussen im Universum, etwas mit dem man rechnen muss. Denn viel Unerklärliches darf geschehen im Erzählraum der Science Fiction. Nachdem sich Lore entschlossen hat, vom Rand der Galaxy wieder nach OLA zurückzukehren, erscheint Allaine erneut, um ihren Schützling in die Unendlichkeit des Weltraums hinauszugeleiten. Sie wird, auf einmal ist das deutlich erkennbar, zum Todesengel.&#xA;&#xA;Während also Allaine beschützt und leitet, fordert sie vom Beschützten ihren Tribut. Sie verführt und manipuliert, formt aus dem Opfer einer kalten Welt eine glühende und unabdingbare Gefolgschaft. Allaine hilft, Grenzen zu überschreiten, fordert geradezu dazu auf, dem Fremden, Anderen zu folgen ohne Vorsicht, ohne Vorbehalt. Aber Grenzüberschreitung war immer schon von Gefährdung begleitet: was zunächst als lohnend erscheint für persönliches Erleben, intensives Fühlen und erhöhtem Verständnis, verwandelt sich zum Leiden an sich selbst, zur Selbstaufgabe an ein höheres und nicht sichtbares Ziel. Das sind die beiden Pole des Lebens immer schon gewesen. ???? Nichts kostet nichts.&#xA;&#xA;Allaine führt in die Zukunft. Im Gegensatz zur Emanation verkörpert sie das Leben, vielleicht auch Entwicklung zum Besseren. Deshalb ist auch viel Weihevolles an ihr, fast wie eine griechische Göttin erscheint sie. Dieses Weihevolle gilt es, im Roman zu zelebrieren ohne in Peinlichkeit abzurutschen und ohne das Oeuvre der Science Fiction zu sprengen. Allaine beschreibt die Gegenwelt zur Kälte und Einsamkeit der Emanation, aber auch zum Schweigen des Universums. Denn nichts &#34;hört&#34; man in den galaktischen Welten als den Puls des eigenen, kleinen Lebens. Kein Laut draussen, Stille überall.&#xA;&#xA;Wie also Allaine&#39;s Wirken zusammenfassen? Sie ist eine in Odo wirkende Erscheinung, die ihn beschützt, leitet und in seinen Tod führt. Sie entbehrt der Gegenständlichkeit, ist Anomalie und Sehnsucht zugleich. Würde man sie als Teil des Schicksals bezeichnen wollen, ist sie eine der drei Schicksalsgöttinnen? Immerhin entzieht sie Odo seiner Entscheidungsfreiheit zur Gänze.&#xA;&#xA;Letztlich: Wir finden Allaine auch in den Zorya, den Licht- und Himmelsgöttinnen aus dem slawischen Mythenkreis. In dreierlei Gestalt stellt sie sich als Morgenstern, Abendstern und Mitternachtsstern dar. Sie öffnen und schliessen die Himmelspforte und wachen so über das Licht. Diesen Dreischritt möchte ich auch in meinem Roman in geeigneter Form versuchen: das muss sich allerdings erst entwickeln.&#xA;&#xA;#Allaine #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Allaine ist nach dem Vorbild einer Schutzmantel-Madonna konstruiert, stellt also eine spirituelle, im Kontext des Romans aber nicht christlich interpretierte nichtmaterielle “Erscheinung” dar. Angelehnt ist sie an die mittelalterliche Bedeutung des “unter den Mantel Nehmens” einer Person, die des Schutzes bedarf. Wer sich unter dem Mantel einer Hohen Frau befindet, geniesst Immunität vor weltlicher Verfolgung.</p>



<p>Gleichzeitig können so uneheliche Kinder während einer Trauung adoptiert werden. Gleichzeitig ist der:die Beschützte wiederum der Verfügung durch die Schutzgewährenden ausgeliefert. Allaine ist im Grunde eine solche Schutzmantel-Madonna, wird aber nie so genannt oder interpretiert. Insgesamt ist sie von grosser Bedeutung für eine der drei zentralen Figuren des Romans. Ihre Macht wird immer wieder in der Handlung spürbar, sie erklären zu wollen, ist aber kein zentrales Anliegen des Romans.</p>

<p>Allaine “erlöst” Odo nicht einfach aus dem in sich geschlossenen System der Emanation, sondern zeigt ihm, quasi als Gegenbild, die Welt hinter den Spiegeln; sie geleitet ihn danach auf das Narrenschiff, das den See des Bewusstseins überquert und dabei untergeht. Odo aber überlebt. In einer noch unbestimmten Handlung wird sie ihn auf das dritte Expeditionsschiff nach Alpha Centauri versetzen, wo er aber aus der DiaPause erwacht und Zeuge krimineller Machenschaften wird. Ebenso mit rationalen Mitteln unerklärlich ist die Platzierung Odos auf einer Raumstation in der Zukunft, wo er von Lore Olamino aufgefunden wird. Ist Allaine gar so etwas wie eine Anomalie des Weltraums, welche das Verhältnis von Raum und Zeit verändert? Das würde für einen SciFi Roman gut passen, Allaine&#39;s Bedeutung geht aber weit über diese Erklärung hinaus. Sie ist nicht bloss physikalische Anomalie sondern metaphysisches Erklärungsmodell.</p>

<p>Allaine vertritt einen absoluten Geltungsanspruch im Leben Odos. Denn sie “übergibt” den auf einer Raumstation Aufgefundenen an Lore Olamino. Allaine verwandelt sich quasi in sie, gibt ihr die Macht, Odo weiter in die Zukunft zu führen, wirkt nun in der anderen Frau. Nie wird sie bei all diesen Handlungen von anderen beobachtet, ihre Bedeutung und visuelle Präsenz besitzt sie nur für ihren Schützling, den anderen Personen der Handlung ist sie gänzlich unbekannt. Als unerklärliches Phänomen im Weltraum wird sie allerhöchstens betrachtet, ohne weiter nachzufragen. Unerklärliches ist “normal” da draussen im Universum, etwas mit dem man rechnen muss. Denn viel Unerklärliches darf geschehen im Erzählraum der Science Fiction. Nachdem sich Lore entschlossen hat, vom Rand der Galaxy wieder nach OLA zurückzukehren, erscheint Allaine erneut, um ihren Schützling in die Unendlichkeit des Weltraums hinauszugeleiten. Sie wird, auf einmal ist das deutlich erkennbar, zum Todesengel.</p>

<p>Während also Allaine beschützt und leitet, fordert sie vom Beschützten ihren Tribut. Sie verführt und manipuliert, formt aus dem Opfer einer kalten Welt eine glühende und unabdingbare Gefolgschaft. Allaine hilft, Grenzen zu überschreiten, fordert geradezu dazu auf, dem Fremden, Anderen zu folgen ohne Vorsicht, ohne Vorbehalt. Aber Grenzüberschreitung war immer schon von Gefährdung begleitet: was zunächst als lohnend erscheint für persönliches Erleben, intensives Fühlen und erhöhtem Verständnis, verwandelt sich zum Leiden an sich selbst, zur Selbstaufgabe an ein höheres und nicht sichtbares Ziel. Das sind die beiden Pole des Lebens immer schon gewesen. ???? Nichts kostet nichts.</p>

<p>Allaine führt in die Zukunft. Im Gegensatz zur Emanation verkörpert sie das Leben, vielleicht auch Entwicklung zum Besseren. Deshalb ist auch viel Weihevolles an ihr, fast wie eine griechische Göttin erscheint sie. Dieses Weihevolle gilt es, im Roman zu zelebrieren ohne in Peinlichkeit abzurutschen und ohne das Oeuvre der Science Fiction zu sprengen. Allaine beschreibt die Gegenwelt zur Kälte und Einsamkeit der Emanation, aber auch zum Schweigen des Universums. Denn nichts “hört” man in den galaktischen Welten als den Puls des eigenen, kleinen Lebens. Kein Laut draussen, Stille überall.</p>

<p>Wie also Allaine&#39;s Wirken zusammenfassen? Sie ist eine in Odo wirkende Erscheinung, die ihn beschützt, leitet und in seinen Tod führt. Sie entbehrt der Gegenständlichkeit, ist Anomalie und Sehnsucht zugleich. Würde man sie als Teil des Schicksals bezeichnen wollen, ist sie eine der drei Schicksalsgöttinnen? Immerhin entzieht sie Odo seiner Entscheidungsfreiheit zur Gänze.</p>

<p>Letztlich: Wir finden Allaine auch in den Zorya, den Licht- und Himmelsgöttinnen aus dem slawischen Mythenkreis. In dreierlei Gestalt stellt sie sich als Morgenstern, Abendstern und Mitternachtsstern dar. Sie öffnen und schliessen die Himmelspforte und wachen so über das Licht. Diesen Dreischritt möchte ich auch in meinem Roman in geeigneter Form versuchen: das muss sich allerdings erst entwickeln.</p>

<p><a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Allaine"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Schreibarbeit"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Figurenkabinett"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></a></p>
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      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/allaine-ist-nach-dem-vorbild-einer-schutzmantel-madonna-konstruiert-stellt</guid>
      <pubDate>Mon, 12 Dec 2022 17:17:33 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title>070 Figurenkabinett 03: Odo</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Odo: Spirituell veranlagte Persönlichkeit, die in der Stille einer Zivilisation lebt, die als Emanation bezeichnet wird. Wir schreiben 2115 auf der Erde, als wir ihm das erste Mal begegnen, in einer Zeit, in der die Wälder längst aufgehört haben, zu existieren und das Summen der Emanation allgegenwärtig geworden ist. In einer Agglomeration am Rande zum Chaos lebt und arbeitet er, den Vorgaben des Unternehmens in den Triplet-Towers  unterworfen, ohne rechte Inspiration, etwas aus sich zu machen. Widerstand gegen die Totalität des Daseins ist ihm fremd.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Seine einzige Leidenschaft besteht darin, Fragmente der Gegenwart zu notieren, mit Hilfe der längst überkommenen Kunst der Handschrift auf Papier. Das Notizheft hält er vor den Augen anderer verborgen. Er ist einsamer Chronist des Untergangs des Menschen auf dem Planeten Erde. Das allein bringt ihm psychische Entlastung, dieses vom Schreiben begleiteten Selbstgespräch über den unausweichlichen Untergang.&#xA;&#xA;Von seinem Arbeitgeber lässt er sich drängen, seinen Körper an das allumspannende Netzwerk der Emanation anzuschliessen. Die digitale Überwachung ist so umfassend und fast perfekt. Warum auch nicht? Wer wäre er denn, sich den Vorgaben der Verwaltung zu widersetzen? Was hätte er denn zu verbergen, was dem System gefährlich werden könnte? Wer wäre er, nicht der Logik des Systems zu folgen? So lebt er unbemerkt in der Schattenwelt seiner Existenz als Person ohne besondere Eigenschaft. Ein zarter, schüchterner, in sich selbst zurückgezogener Mann, der unbeachtet in die Geschichte der sterbenden Erde eingegangen wäre, hätte sich ihm Allaine nicht eines Morgens offenbart.&#xA;&#xA;Sie verändert sein Leben von Grund auf, aber auch ohne ihn aus seiner Passivität zu vertreiben. Die Veränderung kommt wie ein Albtraum über ihn, ohne dass er die Wahl gehabt hätte, zu widerstehen. Er nimmt sie hin, wie er auch seine bisherige Stagnation und Unterwerfung hingenommen hat. Niemandem und und keinem Verlauf kann er widerstehen. Auch im Aufbegehren ist er passiv, folgt er doch den Anweisungen Allaines. Er ist nicht stark genug, den Entwicklungen seinen Stempel aufzudrücken, sie in seinem Sinne zu verändern. Nur als Chronist kann er dem Lauf der Welt nützlich sein, als Schreiber mit einem Notizbuch. Verfallen ist er Allaine bedingungslos, Raum und Zeit wird er durch sie lernen, zu überwinden. So folgt er dem Ruf einer mehr als fragwürdigen Erscheinung: In die Welt hinter den Spiegeln, auf ein Narrenschiff, in die DiaPause der Raumfahrt, in eine andere Zeit weit vor seinem Leben. Er ist ein Getriebener am Höhepunkt des Anthropozän, passiv, ohne rechtes Bewusstsein seinem eigenen Tod entgegen treibend. Wie im Traum erlebt er die Ereignisse um ihn herum, oder besser gesagt: lässt er sie mit sich geschehen, ohne sich ihnen entziehen zu können. Dazu hat er die Kraft nicht, dazu ist er nicht geschaffen worden, auf diese Idee käme er gar nicht. Er vertraut auf Allaine, wird ihr Opfer, ist ihr Sprachrohr mit versagender Stimme. Sie beschützt ihn mit ihrem Mantel, eine archaische Madonna, die seine Geworfenheit in Zeit und Raum mit Absolutheit bestimmt. Unterwerfung mag das rechte Wort sein: sein Wissen um den baldigen Untergang ist das Einzige, was ihn erfüllt.&#xA;&#xA;Von entscheidender Bedeutung ist für ihn auch die Begegnung mit Lore Olamino. Tritt sie auf den Plan, schweigt Allaine in ihm. Ihre Mission ist erfüllt, sie hat ihn an die Gestalterin der Zukunft übergeben. Auch Lore erfüllt den Getriebenen mit ihrer Macht. In ihrer Gegenwart vermag er sich an die Geschehnisse seines Lebens auf der Erde zu erinnern. Zeuge wurde er von den Ereignissen, als sich die Zivilisation auf Erden auflöste und die Menschen wieder einer unbarmherzigen Natur unterworfen wurden wie zu Anbeginn der Hominiden. Denn das Universum duldet sie nicht mehr, die Zerstörer! Es fragt nicht mehr, was der Mensch will, es stürmt voran mit der Kraft von Äonen ins Post-Anthropozän. Vom Bruch mit dem Status Quo weiss er zu erzählen, darüber legt er Zeugnis ab. Er wird Teile der Geschichte von Earthseed enthüllen, Unangemessenes, Empörendes, etwas, was Revolutionen auszulösen vermag. Er wird letztendlich Lore mit ihrer eigenen, längst vergangenen Geschichte konfrontieren. Das ist seine Aufgabe in diesem Roman.&#xA;&#xA;Mit Lore und Tyen Nomasky wird er Teil eines Dreigestirns am Himmel von Alpha Centauri. Zu Dritt gehen sie auch auf die Reise an den Rand des Sternensystems: Odo, ein entkräfteter Zeitzeuge, neben ihm Tyen Nomasky, einer der in Ruhe seinen Weg zu gehen versteht und Lore, die  zur Suchenden nach einer Zivilisation wird, die sie im Grunde verachtet. Sie bewegen sich zum Rand von Alpha Centauri, in die Zone, die alle verschlingt, welche ihr zu nahe kommen. Die Geschichten lösen sich auf, weil es keinen Anfang und kein Ende mehr gibt. Nur Lore kehrt zurück.&#xA;&#xA;Odo ist die grosse Klammer der Handlung, ihm folgt man, allein schon um zu verstehen, warum es ihn im Fortgang der Handlung überhaupt gibt.  Er ist ein Niemand. Wozu ist er da, warum tut er die Dinge, die der Leser beobachten darf, was ist das Ziel seiner kaum merkbaren Handlungen? Ein wenig erinnert er uns an uns selbst: Wie wir die Gegenwart über uns ergehen lassen, ohne Rückgrat und Perspektive, nur den schalen Freuden und dem ohnmächtigen Leid unserer Zeit verhaftet. Denn dieses Leben kann mit uns tun, was es will. Zu Ohnmächtigen haben wir uns gemacht, Ohnmächtige werden wir bleiben, bis uns die Gezeiten hinweg spülen in die gewaltige Expansion des Universum, auf der die Erde kein Gewicht mehr hat. Odo ist das Symbol für die Passivität des Menschen im Anthropozän.&#xA;&#xA;#Allaine #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Odo: Spirituell veranlagte Persönlichkeit, die in der Stille einer Zivilisation lebt, die als Emanation bezeichnet wird. Wir schreiben 2115 auf der Erde, als wir ihm das erste Mal begegnen, in einer Zeit, in der die Wälder längst aufgehört haben, zu existieren und das Summen der Emanation allgegenwärtig geworden ist. In einer Agglomeration am Rande zum Chaos lebt und arbeitet er, den Vorgaben des Unternehmens in den Triplet-Towers  unterworfen, ohne rechte Inspiration, etwas aus sich zu machen. Widerstand gegen die Totalität des Daseins ist ihm fremd.</p>



<p>Seine einzige Leidenschaft besteht darin, Fragmente der Gegenwart zu notieren, mit Hilfe der längst überkommenen Kunst der Handschrift auf Papier. Das Notizheft hält er vor den Augen anderer verborgen. Er ist einsamer Chronist des Untergangs des Menschen auf dem Planeten Erde. Das allein bringt ihm psychische Entlastung, dieses vom Schreiben begleiteten Selbstgespräch über den unausweichlichen Untergang.</p>

<p>Von seinem Arbeitgeber lässt er sich drängen, seinen Körper an das allumspannende Netzwerk der Emanation anzuschliessen. Die digitale Überwachung ist so umfassend und fast perfekt. Warum auch nicht? Wer wäre er denn, sich den Vorgaben der Verwaltung zu widersetzen? Was hätte er denn zu verbergen, was dem System gefährlich werden könnte? Wer wäre er, nicht der Logik des Systems zu folgen? So lebt er unbemerkt in der Schattenwelt seiner Existenz als Person ohne besondere Eigenschaft. Ein zarter, schüchterner, in sich selbst zurückgezogener Mann, der unbeachtet in die Geschichte der sterbenden Erde eingegangen wäre, hätte sich ihm Allaine nicht eines Morgens offenbart.</p>

<p>Sie verändert sein Leben von Grund auf, aber auch ohne ihn aus seiner Passivität zu vertreiben. Die Veränderung kommt wie ein Albtraum über ihn, ohne dass er die Wahl gehabt hätte, zu widerstehen. Er nimmt sie hin, wie er auch seine bisherige Stagnation und Unterwerfung hingenommen hat. Niemandem und und keinem Verlauf kann er widerstehen. Auch im Aufbegehren ist er passiv, folgt er doch den Anweisungen Allaines. Er ist nicht stark genug, den Entwicklungen seinen Stempel aufzudrücken, sie in seinem Sinne zu verändern. Nur als Chronist kann er dem Lauf der Welt nützlich sein, als Schreiber mit einem Notizbuch. Verfallen ist er Allaine bedingungslos, Raum und Zeit wird er durch sie lernen, zu überwinden. So folgt er dem Ruf einer mehr als fragwürdigen Erscheinung: In die Welt hinter den Spiegeln, auf ein Narrenschiff, in die DiaPause der Raumfahrt, in eine andere Zeit weit vor seinem Leben. Er ist ein Getriebener am Höhepunkt des Anthropozän, passiv, ohne rechtes Bewusstsein seinem eigenen Tod entgegen treibend. Wie im Traum erlebt er die Ereignisse um ihn herum, oder besser gesagt: lässt er sie mit sich geschehen, ohne sich ihnen entziehen zu können. Dazu hat er die Kraft nicht, dazu ist er nicht geschaffen worden, auf diese Idee käme er gar nicht. Er vertraut auf Allaine, wird ihr Opfer, ist ihr Sprachrohr mit versagender Stimme. Sie beschützt ihn mit ihrem Mantel, eine archaische Madonna, die seine Geworfenheit in Zeit und Raum mit Absolutheit bestimmt. Unterwerfung mag das rechte Wort sein: sein Wissen um den baldigen Untergang ist das Einzige, was ihn erfüllt.</p>

<p>Von entscheidender Bedeutung ist für ihn auch die Begegnung mit Lore Olamino. Tritt sie auf den Plan, schweigt Allaine in ihm. Ihre Mission ist erfüllt, sie hat ihn an die Gestalterin der Zukunft übergeben. Auch Lore erfüllt den Getriebenen mit ihrer Macht. In ihrer Gegenwart vermag er sich an die Geschehnisse seines Lebens auf der Erde zu erinnern. Zeuge wurde er von den Ereignissen, als sich die Zivilisation auf Erden auflöste und die Menschen wieder einer unbarmherzigen Natur unterworfen wurden wie zu Anbeginn der Hominiden. Denn das Universum duldet sie nicht mehr, die Zerstörer! Es fragt nicht mehr, was der Mensch will, es stürmt voran mit der Kraft von Äonen ins Post-Anthropozän. Vom Bruch mit dem Status Quo weiss er zu erzählen, darüber legt er Zeugnis ab. Er wird Teile der Geschichte von Earthseed enthüllen, Unangemessenes, Empörendes, etwas, was Revolutionen auszulösen vermag. Er wird letztendlich Lore mit ihrer eigenen, längst vergangenen Geschichte konfrontieren. Das ist seine Aufgabe in diesem Roman.</p>

<p>Mit Lore und Tyen Nomasky wird er Teil eines Dreigestirns am Himmel von Alpha Centauri. Zu Dritt gehen sie auch auf die Reise an den Rand des Sternensystems: Odo, ein entkräfteter Zeitzeuge, neben ihm Tyen Nomasky, einer der in Ruhe seinen Weg zu gehen versteht und Lore, die  zur Suchenden nach einer Zivilisation wird, die sie im Grunde verachtet. Sie bewegen sich zum Rand von Alpha Centauri, in die Zone, die alle verschlingt, welche ihr zu nahe kommen. Die Geschichten lösen sich auf, weil es keinen Anfang und kein Ende mehr gibt. Nur Lore kehrt zurück.</p>

<p>Odo ist die grosse Klammer der Handlung, ihm folgt man, allein schon um zu verstehen, warum es ihn im Fortgang der Handlung überhaupt gibt.  Er ist ein Niemand. Wozu ist er da, warum tut er die Dinge, die der Leser beobachten darf, was ist das Ziel seiner kaum merkbaren Handlungen? Ein wenig erinnert er uns an uns selbst: Wie wir die Gegenwart über uns ergehen lassen, ohne Rückgrat und Perspektive, nur den schalen Freuden und dem ohnmächtigen Leid unserer Zeit verhaftet. Denn dieses Leben kann mit uns tun, was es will. Zu Ohnmächtigen haben wir uns gemacht, Ohnmächtige werden wir bleiben, bis uns die Gezeiten hinweg spülen in die gewaltige Expansion des Universum, auf der die Erde kein Gewicht mehr hat. Odo ist das Symbol für die Passivität des Menschen im Anthropozän.</p>

<p><a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Allaine"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Schreibarbeit"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Figurenkabinett"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></a></p>
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      <pubDate>Sat, 10 Dec 2022 15:49:17 +0000</pubDate>
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      <title>069 Die Wörterzähler</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Erst kürzlich wurde ich von nanowrimo aufgefordert, ein Online-Feedback über meine Schreiberfahrungen in der November-Challenge abzugeben. Dabei ist mir unangenehm aufgefallen, welch riesiges TamTam von den Betreiber:innen um NaNoWriMo veranstaltet wird. Um sich selbst dreht und wendet sich die Propaganda eines typisch us-amerikanischen Beteiligungskarussells, das sich als Selbstermächtigung von Autor:innen feiert. Und natürlich: Geld muss gesammelt werden, nicht zu knapp. Über 1.4 Mio. USD wurde als Spendenziel angegeben und bis dato über 1,2 Mio. erreicht. Vor allem die Firmensponsoren wollen Reichweite und Beteiligung. Das benötigt den ständigen Trommelwirbel, die Kakophonie unentwegten Lärms rund um den Mammon. Eine ungesunde Torte mit gewaltigen Mengen an Zuckerguss ist NaNoWriMo geworden, welche man sich zum Geburtstag schenkt. Igitt! Nicht mein Stil. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Doch ich will nicht weiter polemisch sein, die Verdienste der Platform klein reden und mich undankbar zeigen. Denn das eigentliche Ziel hat diese Form des Wettbewerbs bei mir erreicht. Ich bin dank der November Challenge in einen routinierten Schreibfluss gekommen und habe umfangreiches Textmaterial produziert. Der Wettbewerb mit anderen war wichtig, die Selbstvergewisserung über den Schreibfortschritt dabei sehr erhellend. Das Versprechen, mit diesen 50.000 Wörtern in einem Monat ein Buch zu produzieren allerdings, das ist eine doch sehr naive Zumutung gewesen. Mich aber hat dies nicht gestört, ich wusste dies ohnehin. &#xA;&#xA;Nichtsdestotrotz will ich auf dieser Plattform nicht mehr weiterarbeiten, zu grell, zu bunt, zu marktschreierisch kommt sie daher. Der dabei entstehende Lärm tut mir nicht gut, ich brauche Ruhe, um in meine Romanwelten zu versinken und sie auszugestalten. Dies steht nun in den kommenden Wochen an. Schon zu Beginn des November habe ich geschrieben, dass es ja gar nicht so schwer sein müsste, selbst ein gemeinsames Schreiben auf Mastodon mit selbstbestimmten Zielvorgaben zu organisieren. Als Arbeitstitel habe ich mir damals etwa vorgestellt: &#34;Monat der bunten Schreiberlinge (MOBUSCH)&#34; oder &#34;Masochisten für einen Monat (MAFUMO)&#34;. Mit einigem Brainstorming käme sicher ein guter Titel daher! Braucht es dann nur noch die betreute Plattform. Aber auch diese steht zur Verfügung.  &#xA;&#xA;In den kommenden Tagen und Wochen, die ich weiterhin mit meinem Roman &#34;Allaine&#34; und gelegentlichen MiniEssay|s verbringen werde, möchte ich weiterhin meinen Schreibfortschritt auf einer Platform eintragen. Ich weiss, dass eine derartige Vorgehensweise meine Schreibdisziplin nur fördern kann. Also suchte ich nach Alternativen und wurde fündig: das Projekt von David S. Gale mit dem Namen Write Track Cloud. Ein sauber aufgeräumter und beruhigender Online Word-Tracker, der ohne jede Werbung daherkommt, auch ohne &#34;Expert:innen&#34;, die einem in den eigenen Schreibprozess hineinreden wollen. Doch lassen wir Herrn Gale selbst zu Wort kommen. Ihn habe bei dieser Aktivität gestört, dass beim Herunterbrechen eines Schreibziels von beispielsweise 50.000 Wörtern pro Monat, bei NaNoWriMo jeder Tag gleich behandelt werde. Doch Schreibziele zu setzen, sei keine statistische Aufgabe (nach dem Schema: 50.000 Wörter:30 Tage=1.667 Wörter/Tag), sondern eine der Einschätzung, wie jeder einzelne Tag in etwa verlaufen könnte und welche Schreibziele deshalb erreicht werden sollen. Einmal schreibt mensch mehr, einmal weniger, und das aus unterschiedlichsten Gründen: persönlichen, privaten, beruflichen und sonstigen. Deshalb verwendet Gale die Möglichkeit der Gewichtungen von Tagen (weight). Die durchschnittliche Wörteranzahl eines Tages (=100%) kann angepasst werden: Tage zeichnen auch andere Prozentzahlen auf und man beendet diesen in der Gewissheit, sein persönliches Soll erreicht zu haben. Es muss nicht immer der &#34;Tagesschnitt&#34; sein.  Einmal mehr, einmal weniger, begleitet von einer klaren Übersicht über den eigenen Schreibfortschritt.  &#xA;&#xA;Angereichert ist write track mit zahlreichen Features, welche NaNoWriMo um nichts nachsteht, durch seine Klarheit und Eindeutigkeit sogar übertrifft. Das Instrument kann stand alone benutzt, die Länge und Intensität der Challenge dabei frei gewählt werden. Aber man kann diese Challenge auch mit &#34;Freunden teilen&#34;. Ebenso können Gruppen gebildet werden, um sich untereinander auszutauschen und hat damit die Möglichkeit, in seiner Sprache zu kommunizieren (die Plattform ist generell in englischer Sprache). Es gibt downloadbare Banners,  eine Kalenderübersicht und eine Editierfunktion für selbstkreierte Challenges. Insgesamt ein sehr gutes Instrument, das zumindest für mich keinen Wunsch offen lässt. Wer aber auf einen bunten, geschwätzigen und weithin bekannten Wort-Tracker reflektiert, der mag sich wieder NaNoWriMo zuwenden.  &#xA;&#xA; Also habe ich mich entschlossen, meine Texte zum Figurenkabinett meines Romans in einer von mir zurecht gebastelten Challange bis Ende Jänner 2023 fertigzustellen. Davon berichte ich regelmässig auf tinderness@Mastodon. Wer write track, so wie ich, für gut befindet und sich dort gerne in einer Gruppe versammeln will, der:die sei nach dem Einloggen auf der Plattform auf die Fediverse Writers verwiesen.&#xA;&#xA;#NaNoWriMo &#34;#Schreibarbeit #WriteTrack]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Erst kürzlich wurde ich von nanowrimo aufgefordert, ein Online-Feedback über meine Schreiberfahrungen in der November-Challenge abzugeben. Dabei ist mir unangenehm aufgefallen, welch riesiges TamTam von den Betreiber:innen um NaNoWriMo veranstaltet wird. Um sich selbst dreht und wendet sich die Propaganda eines typisch us-amerikanischen Beteiligungskarussells, das sich als Selbstermächtigung von Autor:innen feiert. Und natürlich: Geld muss gesammelt werden, nicht zu knapp. Über 1.4 Mio. USD wurde als Spendenziel angegeben und bis dato über 1,2 Mio. erreicht. Vor allem die Firmensponsoren wollen Reichweite und Beteiligung. Das benötigt den ständigen Trommelwirbel, die Kakophonie unentwegten Lärms rund um den Mammon. Eine ungesunde Torte mit gewaltigen Mengen an Zuckerguss ist NaNoWriMo geworden, welche man sich zum Geburtstag schenkt. Igitt! Nicht mein Stil.</p>



<p>Doch ich will nicht weiter polemisch sein, die Verdienste der Platform klein reden und mich undankbar zeigen. Denn das eigentliche Ziel hat diese Form des Wettbewerbs bei mir erreicht. Ich bin dank der November Challenge in einen routinierten Schreibfluss gekommen und habe umfangreiches Textmaterial produziert. Der Wettbewerb mit anderen war wichtig, die Selbstvergewisserung über den Schreibfortschritt dabei sehr erhellend. Das Versprechen, mit diesen 50.000 Wörtern in einem Monat ein Buch zu produzieren allerdings, das ist eine doch sehr naive Zumutung gewesen. Mich aber hat dies nicht gestört, ich wusste dies ohnehin.</p>

<p>Nichtsdestotrotz will ich auf dieser Plattform nicht mehr weiterarbeiten, zu grell, zu bunt, zu marktschreierisch kommt sie daher. Der dabei entstehende Lärm tut mir nicht gut, ich brauche Ruhe, um in meine Romanwelten zu versinken und sie auszugestalten. Dies steht nun in den kommenden Wochen an. Schon zu Beginn des November habe ich geschrieben, dass es ja gar nicht so schwer sein müsste, selbst ein gemeinsames Schreiben auf Mastodon mit selbstbestimmten Zielvorgaben zu organisieren. Als Arbeitstitel habe ich mir <a href="https://zettelwerk.writeas.com/054-mobusch-statt-nanowrimo-tag-1">damals</a> etwa vorgestellt: “Monat der bunten Schreiberlinge (MOBUSCH)” oder “Masochisten für einen Monat (MAFUMO)”. Mit einigem Brainstorming käme sicher ein guter Titel daher! Braucht es dann nur noch die betreute Plattform. Aber auch diese steht zur Verfügung.</p>

<p>In den kommenden Tagen und Wochen, die ich weiterhin mit meinem Roman “Allaine” und gelegentlichen MiniEssay|s verbringen werde, möchte ich weiterhin meinen Schreibfortschritt auf einer Platform eintragen. Ich weiss, dass eine derartige Vorgehensweise meine Schreibdisziplin nur fördern kann. Also suchte ich nach Alternativen und wurde fündig: das Projekt von David S. Gale mit dem Namen <a href="https://writetrack.cloud/">Write Track Cloud</a>. Ein sauber aufgeräumter und beruhigender Online Word-Tracker, der ohne jede Werbung daherkommt, auch ohne “Expert:innen”, die einem in den eigenen Schreibprozess hineinreden wollen. Doch lassen wir Herrn Gale selbst zu Wort kommen. Ihn habe bei dieser Aktivität gestört, dass beim Herunterbrechen eines Schreibziels von beispielsweise 50.000 Wörtern pro Monat, bei NaNoWriMo jeder Tag gleich behandelt werde. Doch Schreibziele zu setzen, sei keine statistische Aufgabe (nach dem Schema: 50.000 Wörter:30 Tage=1.667 Wörter/Tag), sondern eine der Einschätzung, wie jeder einzelne Tag in etwa verlaufen könnte und welche Schreibziele deshalb erreicht werden sollen. Einmal schreibt mensch mehr, einmal weniger, und das aus unterschiedlichsten Gründen: persönlichen, privaten, beruflichen und sonstigen. Deshalb verwendet Gale die Möglichkeit der Gewichtungen von Tagen (weight). Die durchschnittliche Wörteranzahl eines Tages (=100%) kann angepasst werden: Tage zeichnen auch andere Prozentzahlen auf und man beendet diesen in der Gewissheit, sein persönliches Soll erreicht zu haben. Es muss nicht immer der “Tagesschnitt” sein.  Einmal mehr, einmal weniger, begleitet von einer klaren Übersicht über den eigenen Schreibfortschritt.</p>

<p>Angereichert ist <strong>write track</strong> mit zahlreichen Features, welche NaNoWriMo um nichts nachsteht, durch seine Klarheit und Eindeutigkeit sogar übertrifft. Das Instrument kann stand alone benutzt, die Länge und Intensität der Challenge dabei frei gewählt werden. Aber man kann diese Challenge auch mit “Freunden teilen”. Ebenso können Gruppen gebildet werden, um sich untereinander auszutauschen und hat damit die Möglichkeit, in seiner Sprache zu kommunizieren (die Plattform ist generell in englischer Sprache). Es gibt downloadbare Banners,  eine Kalenderübersicht und eine Editierfunktion für selbstkreierte Challenges. Insgesamt ein sehr gutes Instrument, das zumindest für mich keinen Wunsch offen lässt. Wer aber auf einen bunten, geschwätzigen und weithin bekannten Wort-Tracker reflektiert, der mag sich wieder NaNoWriMo zuwenden.</p>

<p> Also habe ich mich entschlossen, meine Texte zum Figurenkabinett meines Romans in einer von mir zurecht gebastelten Challange bis Ende Jänner 2023 fertigzustellen. Davon berichte ich regelmässig auf <a href="https://literatur.social/@tinderness">tinderness@Mastodon</a>. Wer <strong>write track,</strong> so wie ich, für gut befindet und sich dort gerne in einer Gruppe versammeln will, der:die sei nach dem Einloggen auf der Plattform auf die Fediverse Writers verwiesen.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:NaNoWriMo" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">NaNoWriMo</span></a> “<a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:WriteTrack" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">WriteTrack</span></a></p>
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      <pubDate>Fri, 09 Dec 2022 15:01:24 +0000</pubDate>
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      <title>068 Figurenkabinett 02: Die Earthseed Zivilisation</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Eine Volkszählung aus dem Jahr WXYZ hatte ergeben, dass auf OLA 12.350 Personen lebten, darunter bloss wenig mehr als 1.000 Kinder unter 15 Jahren. Die Gute Verwaltung Earthseed war darüber sehr in Sorge, denn ihre Zivilisation entsprach schon aufgrund ihrer Altersstruktur bei weitem nicht einer, von der man Dynamik und Veränderung erwarten konnte. Aber die Herausforderungen der Gegenwart waren gross und wohl auch überwältigend.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Die 45 bis 60 jährigen stellten die grösste Bevölkerungsgruppe, das waren die Kinder der Pioniere, die den Flug von der Erde nach Alpha Centauri überlebt hatten. Sie hatten ihre besten Jahre an den Bau der Pavillons in der Schattenzone von OLA verwandt, waren ausgelaugt von den Strapazen der Kolonisation, von der damit verbundenen  Arbeit, die nicht nur an ihren Energien, sondern auch an ihrer Gesundheit gezehrt hatte. Müde, kranke Menschen, die sich ihren Traum erfüllt hatten, aber doch in einen Alptraum eines Lebens in Mangel, Entbehrung und Enttäuschung geschlittert waren. Mehr gab der Planet und ihre Ressourcen einfach nicht her! Denn das Leben war hart auf OLA und die Möglichkeiten, den Planeten zu entwickeln, durchwegs sehr beschränkt.  Sein Ökosystem pendelte zwischen zwei Extremen: Todbringende, das ganze Planetenjahr gleichbleibende Kälte oder auf der gegenüberliegenden Seite Hitze und Strahlung. Anders als die Erde drehte sich OLA beim Orbit um Proxima Centaur nicht um seine eigene Achse. Deshalb war auch nur ein schmaler Streifen zwischen Dunkelheit und Licht bewohnbar: die Dämmerung. In dieser Zone hatten die Pioniere in das nasse Gestein gebohrt und Stollen für ihre Pavillons gegraben wie galaktische Maulwürfe. Von diesen provisorischen Stützpunkten aus gingen sie ihrer Arbeit nach, in die Kuppelbauten der Wissenschaft, der Technik und der Agrokulturen mit ihren elliptischen Grundrissen und Aufbauten aus Glas, die sich in die Stürme schmiegten, welche das ganze Jahr hindurch tobten. Fünf derartige Siedlungen gab es, mehr nicht. Unfreundliches, kaltes und nasses Wetter, nicht ungefährlich wegen der periodisch auftretenden, kosmischen Strahlung. Keine Jahreszeiten, immer die gleichen Lichtschwankungen, immer und ewig Monotonie. Die Enttäuschung frass diese Generation auf. Sie war umso schwerer zu ertragen, je mehr sich die Menschen der offiziellen Doktrin von Hoffnung und Wandel verschrieb. Diese abgekämpfte, müde und enttäuschte Population der über Fünfzigjährigen war mehr als überfordert von den Aufgaben, Werten und Idealen, mit denen sie einst von der Gründermutter Lauren Olamino auf den Weg geschickt worden waren. Ihr ganzes Leben wollten sie diese Prinzipien in die Wirklichkeit umsetzen und konnten dabei doch nur zusehen, wie sie daran scheiterten&#xA;&#xA;Aus dieser Generation stammten fast ausschliesslich auch jene, die die politischen Geschicke der Generation lenkten und sie kompensierten das Desaster von OLA schamlos. Das Buch der Lebenden war für diese Menschen nicht nur Glaubensbekenntnis, sondern politisches und ideologisches Credo. An die Tautologien des Gesagten glaubten sie, danach handelten sie, dazu versuchten sie zu überreden, mit aller Macht. Dass es die Aufgabe der Earthseed Zivilisation sei, Erdenleben zu neuen Welten zu bringen, war unverrückbares Dogma geworden, sodass es letzten Endes wahr werden musste, selbst wenn es unmöglich erschien. Auf allen Regierungsgebäuden prangten die Worte von Lauren Olamino: &#34;Earthseed is all that spreads Earthlife to new earths.&#34; Ein totes Glaubensbekenntnis, das der ewige Wind auf OLA bewegte, so wie einst der Erdenwind die Fahnen der tibetanischen Mönche auf dem verlassenen Planeten. Denn man verdorrte auf OLA, mehr nicht!&#xA;&#xA;Nur wenige dieser Pioniere wussten um die Lügen, auf denen Earthseed errichtet worden war; wussten um die unheilvollen Ereignisse, die der Kapitän des dritten Raumschiffs der Erde auf Alpha Centauri zu verantworten hatte; wussten von den Verbrechen und Lügen einer Besatzung, die bis heute tiefe Verehrung in der Bevölkerung genoss. Der Held von OLA, dieser unfähige Kommandant, war vor Kurzem verstorben und hatte die Geschehnisse rund um die Landung mit ins Grab genommen. Drei Zeugen der einstigen Besatzung lebten noch, waren indes schon ihrem Tod so nahe, dass man ihnen keine klare Erinnerung zutrauen wollte. Die materiellen Zeugen der Geschehnisse: begraben,  verschüttet, versenkt an Orten, die man zum Teil gar nicht kannte. Auch in der KI fanden sich zwar Spuren der schändlichen Wahrheit, aber auch sie war manipuliert und des Sinns beraubt.&#xA;&#xA;Dass die Kinder dieser Generation die Bigotterie ihrer enttäuschen Eltern und Grosseltern nicht verstehen konnten, lag auf der Hand. Sie, die ja nichts anderes kannten als &#34;ihren&#34; Planeten, vermochten das Pathos und den verborgenen Schmerz ihrer Eltern nicht zu teilen. Sie lehnten die Lebenseinstellung der Vorfahren im Grunde ab. OLA war ihre Heimat: eine unzulängliche zwar, aber auch 