<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
  <channel>
    <title>schreibarbeit &amp;mdash; Zettelwerk</title>
    <link>https://zettelwerk.writeas.com/tag:schreibarbeit</link>
    <description>Notizen eines Fiktionauten.</description>
    <pubDate>Sat, 15 Aug 2026 18:24:52 +0000</pubDate>
    <image>
      <url>https://i.snap.as/aM4jw2DK.jpg</url>
      <title>schreibarbeit &amp;mdash; Zettelwerk</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/tag:schreibarbeit</link>
    </image>
    <item>
      <title>073 Figurenkabinett 06: Biostras</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/073-figurenkabinett-06-biostras?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Der Begriff Biostras bezeichnet die Gruppe der Astrobiologen, die auf einem der in meinem Roman genannten Raumschiffe reisen, vielleicht zwei bis drei Personen. Einerseits bedienen sie die Terrasphärenkammer des Raumschiffs, um die Passagiere auf ihren langen Reisen Gelegenheit zur Orientierung in ihrem Menschsein zu geben. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Denn das Leben und Wachsen und sich Verändern von Natur ausserhalb des Menschen ist Teil seiner Menschlichkeit und seiner Identität. Das schien, zumindest zu Beginn, einer der Glaubenssätze von Earthseed zu sein. Dadurch, dass die Asche der Urmutter Laura Olamina auf einem der Raumschiffe mitgeführt wird, erhält diese Hypothese auch eine zusätzliche, fast religiös verbrämte Bedeutung. Laut Testament wurde sie im Biotop des Raumschiffes verbracht, um die &#34;neue Saat&#34;  pflanzen: &#34;Heilige Erde, heilige Pflanzen!&#34;. Originalzitat:&#xA;&#xA;  I will go with the first ship to leave after my death. If I thought I could survive as something other than a burden, I would go on this one, alive. No matter. Let them someday use my ashes to fertilize their crops. Let them do that. It&#39;s arranged. I&#39;ll go and they will give me to their orchards and their groves. (S.833)&#xA;&#xA;Werden jene Pflanzen verzehrt, die ursprünglich mit der Asche der Grossen Mutter gepflanzt wurden, so nimmt man auch den Geist der Schriften und den Geist der Seherin in sich auf. Damit wird der Verzehr von derart verzehrten Pflanzen zum Heiligen Akt, zur Affirmation von Earthseed auf einer spirituellenn Ebene.&#xA;&#xA;So werden die Astrobiologen zu Hohepriester:innen von Earthseed. Sie werden zum Bestandteil einer säkularisierten Religion und ersetzen mit ihrer Ideologie den Nutzeffekt von Natur für Erholung und Entspannung durch naturreligiöser Aufladung. Die terrestrische Natur darf nicht sterben, auch wenn sie im Weltraum keine Chance auf eine Fortführung in ihren ursprünglichen Charakteristik hat. Denn wenn die terrestrische Natur stirbt, stirbt auch ein Teil der sozialen Natur des Menschen. Und was könnte sie dann ersetzen? Eng verknüpft sich dieser Glaube mit dem Ritual, das mit der Bewimperten Blutsphäre tradiert wird. Damit wird auch der Schöpfer dieser Hybridpflanze in die Handlung eingeführt. Sein Name ist Aleks Sajdar.&#xA;&#xA;Die Aufgabe der Biostras besteht zunächst darin, für das Überleben bestimmter Pflanzen und Tiergattungen im Raumschiff zu sorgen und bestimmte Gemüse- und Obstsorten anzupflanzen. Dafür sind sie einem strengen Regelwerk verpflichtet.  Andrerseits sind sie auch für die Erforschung von Leben im Weltraum und hier vor allem auf Exoplaneten zuständig. Der Status der Biostras ist heilig, ihr Überleben auf der langen Reise nach dem des Kapitäns und der Offiziere ist deshalb von höchster Priorität. Sie sind quasi unantastbar und müssen sich während des gesamten Raumflüges beim Monitoring der Prozesse in der Terrasphärenkammer abwechseln. Das bedeutet, dass sie am Ende der Reise im Vergleich zur restlichen Besatzung deutlich gealtert sind. Einige von ihnen opfern so durch ihr häufiges Wachsein und ihre Sorge für die Pflanzenwelt ihr Leben.&#xA;&#xA;Noch eine andere Idee, zur Bedeutung der Biologie natürlich. Sie wird im engeren Sinn mit dem Earthseed Keyword &#34;Change&#34; verknüpft. Die Biologie und damit die Astrobiologie ist deutlichster Ausdruck des dem Leben zugrundeliegenden Wandels und liefert dazu alle wissenschaftlichen Begründungen. Sie ist eines der wichtigsten Referenzsysteme  des Wandels. Und weil der biologische Wandel unabwendbar ist, wird er zu Gott, daher auch die Verehrung der Biontas, die alle mit dem Wandel verbundenen Fragen zu lösen imstande sind.&#xA;&#xA;Wie aber die Biontas in einen spannenden Handelsstrang einbinden? Das geschieht wohl am besten auf jenem Raumschiff, das die Erde als drittes verlassen hat und schliesslich als das Pionierraumschiff von Earthseed gefeiert wird. Ihnen könnte auch die Verantwortung über die Untersuchung der durch die Kryostase getöteten und geschädigten Passagiere überantwortet werden. Ihre gescheiterte Verantwortung und ein misslungenes Krisenmanagement machen sie psychologisch auf eine sehr einfache Weise zu Komplizen des betrügerischen Kapitäns und zu Gegnern der Chronisten. Es findet dabei eine allgemeine Umkehrung der Positionen von Faktizität und Fiktionalität statt. Indem die Bionistas die Betrugsbemühungen des Kapitäns unterstützen und damit zu Leugner:innen und Verschleier:innen der Wahrheit werden, nehmen sie Positionen diametral zu denen der Chronisten ein, die von den Fakten zu berichten haben, in fiktionaler Weise jedoch und dem Wissensstand der erwachenden Reisenden Rechnung tragend. In einem Satz zusammengefasst kann das daraus resultierende Paradoxon auf folgende Weise beschrieben werden: Die Fiktion begründet Wahrheit, weil sie dem Menschen verpflichtet ist; die Faktizität verkehrt sich durch ihre Lückenhaftigkeit in Ideologie und letzthin in Lüge.&#xA;&#xA;Mit den Biostras wird auch das Mykorhizom eingeführt, ein Inventar der im Weltraum vorgefundenen biologischen Entitäten. Beim Zeichnen an diesem Projekt entstehen Ideen zu diesen neuen Geschöpfen, die niedergeschrieben werden: eine neue Realität wird geschaffen. In einem nächsten Schritt werden diese Pflanzen, ihre Beschreibung und ihre Relevanz für die Handlung in Allaine verortet werden. Sie sind ein wichtiger Teil des &#34;Weltenbaus&#34; geworden, konstituieren die neue Wirklichkeit des Romans. Bildnerische Gestaltung und erzählerische Arbeit fliessen so ineinander und befruchten sich gegenseitig.&#xA;&#xA;#Allaine #Mykorhizom #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Begriff Biostras bezeichnet die Gruppe der Astrobiologen, die auf einem der in meinem Roman genannten Raumschiffe reisen, vielleicht zwei bis drei Personen. Einerseits bedienen sie die Terrasphärenkammer des Raumschiffs, um die Passagiere auf ihren langen Reisen Gelegenheit zur Orientierung in ihrem Menschsein zu geben.</p>



<p>Denn das Leben und Wachsen und sich Verändern von Natur ausserhalb des Menschen ist Teil seiner Menschlichkeit und seiner Identität. Das schien, zumindest zu Beginn, einer der Glaubenssätze von Earthseed zu sein. Dadurch, dass die Asche der Urmutter Laura Olamina auf einem der Raumschiffe mitgeführt wird, erhält diese Hypothese auch eine zusätzliche, fast religiös verbrämte Bedeutung. Laut Testament wurde sie im Biotop des Raumschiffes verbracht, um die “neue Saat”  pflanzen: “Heilige Erde, heilige Pflanzen!”. Originalzitat:</p>

<blockquote><p>I will go with the first ship to leave after my death. If I thought I could survive as something other than a burden, I would go on this one, alive. No matter. Let them someday use my ashes to fertilize their crops. Let them do that. It&#39;s arranged. I&#39;ll go and they will give me to their orchards and their groves. (S.833)</p></blockquote>

<p>Werden jene Pflanzen verzehrt, die ursprünglich mit der Asche der Grossen Mutter gepflanzt wurden, so nimmt man auch den Geist der Schriften und den Geist der Seherin in sich auf. Damit wird der Verzehr von derart verzehrten Pflanzen zum Heiligen Akt, zur Affirmation von Earthseed auf einer spirituellenn Ebene.</p>

<p>So werden die Astrobiologen zu Hohepriester:innen von Earthseed. Sie werden zum Bestandteil einer säkularisierten Religion und ersetzen mit ihrer Ideologie den Nutzeffekt von Natur für Erholung und Entspannung durch naturreligiöser Aufladung. Die terrestrische Natur darf nicht sterben, auch wenn sie im Weltraum keine Chance auf eine Fortführung in ihren ursprünglichen Charakteristik hat. Denn wenn die terrestrische Natur stirbt, stirbt auch ein Teil der sozialen Natur des Menschen. Und was könnte sie dann ersetzen? Eng verknüpft sich dieser Glaube mit dem Ritual, das mit der Bewimperten Blutsphäre tradiert wird. Damit wird auch der Schöpfer dieser Hybridpflanze in die Handlung eingeführt. Sein Name ist Aleks Sajdar.</p>

<p>Die Aufgabe der Biostras besteht zunächst darin, für das Überleben bestimmter Pflanzen und Tiergattungen im Raumschiff zu sorgen und bestimmte Gemüse- und Obstsorten anzupflanzen. Dafür sind sie einem strengen Regelwerk verpflichtet.  Andrerseits sind sie auch für die Erforschung von Leben im Weltraum und hier vor allem auf Exoplaneten zuständig. Der Status der Biostras ist heilig, ihr Überleben auf der langen Reise nach dem des Kapitäns und der Offiziere ist deshalb von höchster Priorität. Sie sind quasi unantastbar und müssen sich während des gesamten Raumflüges beim Monitoring der Prozesse in der Terrasphärenkammer abwechseln. Das bedeutet, dass sie am Ende der Reise im Vergleich zur restlichen Besatzung deutlich gealtert sind. Einige von ihnen opfern so durch ihr häufiges Wachsein und ihre Sorge für die Pflanzenwelt ihr Leben.</p>

<p>Noch eine andere Idee, zur Bedeutung der Biologie natürlich. Sie wird im engeren Sinn mit dem Earthseed Keyword “Change” verknüpft. Die Biologie und damit die Astrobiologie ist deutlichster Ausdruck des dem Leben zugrundeliegenden Wandels und liefert dazu alle wissenschaftlichen Begründungen. Sie ist eines der wichtigsten Referenzsysteme  des Wandels. Und weil der biologische Wandel unabwendbar ist, wird er zu Gott, daher auch die Verehrung der Biontas, die alle mit dem Wandel verbundenen Fragen zu lösen imstande sind.</p>

<p>Wie aber die Biontas in einen spannenden Handelsstrang einbinden? Das geschieht wohl am besten auf jenem Raumschiff, das die Erde als drittes verlassen hat und schliesslich als das Pionierraumschiff von Earthseed gefeiert wird. Ihnen könnte auch die Verantwortung über die Untersuchung der durch die Kryostase getöteten und geschädigten Passagiere überantwortet werden. Ihre gescheiterte Verantwortung und ein misslungenes Krisenmanagement machen sie psychologisch auf eine sehr einfache Weise zu Komplizen des betrügerischen Kapitäns und zu Gegnern der Chronisten. Es findet dabei eine allgemeine Umkehrung der Positionen von Faktizität und Fiktionalität statt. Indem die Bionistas die Betrugsbemühungen des Kapitäns unterstützen und damit zu Leugner:innen und Verschleier:innen der Wahrheit werden, nehmen sie Positionen diametral zu denen der Chronisten ein, die von den Fakten zu berichten haben, in fiktionaler Weise jedoch und dem Wissensstand der erwachenden Reisenden Rechnung tragend. In einem Satz zusammengefasst kann das daraus resultierende Paradoxon auf folgende Weise beschrieben werden: Die Fiktion begründet Wahrheit, weil sie dem Menschen verpflichtet ist; die Faktizität verkehrt sich durch ihre Lückenhaftigkeit in Ideologie und letzthin in Lüge.</p>

<p>Mit den Biostras wird auch das Mykorhizom eingeführt, ein Inventar der im Weltraum vorgefundenen biologischen Entitäten. Beim Zeichnen an diesem Projekt entstehen Ideen zu diesen neuen Geschöpfen, die niedergeschrieben werden: eine neue Realität wird geschaffen. In einem nächsten Schritt werden diese Pflanzen, ihre Beschreibung und ihre Relevanz für die Handlung in Allaine verortet werden. Sie sind ein wichtiger Teil des “Weltenbaus” geworden, konstituieren die neue Wirklichkeit des Romans. Bildnerische Gestaltung und erzählerische Arbeit fliessen so ineinander und befruchten sich gegenseitig.</p>

<p><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Mykorhizom" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Mykorhizom</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a> <a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/073-figurenkabinett-06-biostras</guid>
      <pubDate>Fri, 13 Jan 2023 11:36:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>072 Figurenkabinett 05: Tusk</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/die-lugen-von-tusk?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Dem verlogenen Kommandanten des dritten Raumschiffs von Earthseed Space, ihm habe ich bis dato noch keinen richtigen Namen gegeben. Er war ein Schreibunfall, denn plötzlich, mitten im Schreiben, in jenem Augenblick als ich seine Figur nach einem kurzen Auftauchen schon längst wieder fallen lassen wollte, entwickelte sich die Idee vom Betrug einer Zivilisation an sich selbst. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Der Kommandant, nennen wir ihn nunmehr provisorisch TUSK, wird von seine Crew aus der DiaPause vorschriftsmässig geweckt, um eine Situation zu meistern, die ausserhalb seiner Kompetenz liegt. Ein schlafendes Mädchen ist verschwunden, ein fremder Mann in den DiaPause Kammern aufgewacht. Wenig später, unmittelbar vor der Landung auf OLA, spitzt sich die Situation durch die Recherchen der Chronisten zu: die Situation droht zu eskalieren, ein Skandal bedroht das Zusammenleben an Bord und so manches gäbe es zu aufzuklären. Dann TUSKS Entschluss, sein Kommando als erstes Raumschiff der Flotte auszugeben, welches den zukünftigen Heimatplaneten erreicht hat. Schritt um Schritt erweitert TUSK das Lügengebilde zu einem Mythos der Entstehung der Zivilisation. Allein, in der Geschichte fehlt es an transparent gemachter Motivation des anonymen Kommandanten. Aus dem Nichts ist er im Roman aufgetaucht, als Nebenfigur, die schon bald wieder hätte im Nichts verschwinden sollen. Er wuchs mit der aufgetischten Lüge über sich selbst hinaus, muss also erst das Potential entwickeln, das ihn antreibt und begründet. Das ist die künftige Aufgabe des Autors.&#xA;&#xA;Was also vermag einen Kommandanten zu derartig gefährlichem Schwindel antreiben? Eine Möglichkeit bestünde darin, die Sucht nach Ruhm, Geltung und Macht eines Mannes zu befriedigen, welcher mit dem Auftrag der Wirtschaft, der Milliardäre einer aussterbenden Rasse, auf den Weg gebracht wurde, um, wo auch immer, die Interessen eines Kapitalismus durchzusetzen, der auf Erden als seine Existenzgrundlage verloren hat. Denn auch das Kapital geht am Mangel an Ressourcen zugrunde. Ein solches Szenario setzt vom Plot her zweierlei voraus: 1. Die Charakterstruktur von TUSK auch im Vorfeld des bisher Erzählten genauer zu beschreiben; 2. Die Janusköpfigigkeit der Expedition von Earthseed zu beschreiben: Aufbruch in eine neue Zivilisation zu sein und gleichzeitig die Suche für eine neue Akkumulation von Rohstoffen zu sein. Auch diese beiden Handlungsstränge müssten noch erzählt werden. Beide Vorhaben scheitern aber zwangsläufig, das Szenario führt uns nämlich in ein neues Dilemma: Denn die Erde geht zugrunde, ist wohl auch zu weit weg, um Absatzgebiet der gewonnenen Rohstoffe zu sein. Und als Zivilisation ist Earthseed zu schwach, zu bevölkerungsarm, zu bedeutungslos, um eine funktionierende Wirtschaft aufbauen zu können.&#xA;&#xA;Ein anderer Weg, die Handlungen des plötzlich für die Handlung des mit einem Mal so wichtigen Kommandanten zu erklären, läge wohl in den Logiken einer Zivilisation begründet, die sich ihren eigenen Mythos der Entstehung schaffen muss, koste es, was es wolle. Der Zwang erfolgreich zu sein, zum Wohle der Menschheit, das ist ein &#34;geheimer&#34; Auftrag, dem alle Kommandanten und Politiker:innen folgen: ein Verhalten, in dem bereits die Erosion von Earthseed angelegt wäre. Es ist etwas, was die Führungskaste der Zivilisation vertritt, im Zwang, erfolgreich zu sein. Am Kommandanten also spiegelt sich das fragwürdige Verhalten einer heilsgeschichtlich motivierten Kaste, die sich verzweifelt an die Ideologie ihrer Gründermutter fesselt. Moral verkommt im Gerede von &#34;Wandel&#34; und &#34;Zukunft in den Sternen&#34; zu billiger Münze. Allerdings: Hat sich das Earthseed der Octavia E. Butler verdient, dass so mit ihm abgerechnet wird? Wie jede Religion ist auch Butlers Konzept von Earthseed in jedem Fall kritikwürdig; es jedoch derart erodieren zu lassen, wie ich es beabsichtige, steht aber auf einem anderen Blatt.&#xA;&#xA;Kann man, was nun die dritte Möglichkeit der Darstellung ist, die Handlungen des Kommandanten allein psychologisch begründen, ihm ähnlich wie Odo eine psychopathologische Ursache zugrunde legen? Während Odo in einer Art religiösen Wahn befangen ist, könnte sich Kommandeur TUSK in die Rolle eines Grössenwahnsinnigen hineinbegeben, der mit körperlichen und psychischen Defekten als Folgen der DiaPause zu kämpfen hat. Dann aber, müsste dies auch im Vorfeld der Ereignisse so angelegt werden und von TUSKS Perspektive her geschildert werden: Was spürt er nach dem Erwachen, wie stellen sich ihm die Ereignisse das dar, wie entgleitet ihm die Kontrolle? Ein Effekt der Diapause wäre es, dass moralisch - ethische Grundsätze des Menschen zerstört werden und Effekte auftreten, wie sie bei Psychopaten (siehe HPH) beobachtbar sind. Der gesamte Roman würde dann immer mehr in die Nähe eines Romans über die möglichen Folgen der DIAPAUSE gerückt werden, auch wenn man die Logik der Suche nach Serdan im zweiten grossen Handlungsstrang berücksichtigt.&#xA;&#xA;Nun sei auch noch eine vierte Möglichkeit aufgezählt: Eine Kombination aus allen drei Erzählsträngen, mit dem Angebot an die Leser:innen, sich aussuchen zu können, was ihnen am Logischsten erscheinen mag. Auch das besässe eine gewisse Logik: den Motivationslagen setzen sich immer aus unterschiedlichsten Begründungszusammenhängen zusammen.&#xA;&#xA;#Allaine #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dem verlogenen Kommandanten des dritten Raumschiffs von Earthseed Space, ihm habe ich bis dato noch keinen richtigen Namen gegeben. Er war ein Schreibunfall, denn plötzlich, mitten im Schreiben, in jenem Augenblick als ich seine Figur nach einem kurzen Auftauchen schon längst wieder fallen lassen wollte, entwickelte sich die Idee vom Betrug einer Zivilisation an sich selbst.</p>



<p>Der Kommandant, nennen wir ihn nunmehr provisorisch TUSK, wird von seine Crew aus der DiaPause vorschriftsmässig geweckt, um eine Situation zu meistern, die ausserhalb seiner Kompetenz liegt. Ein schlafendes Mädchen ist verschwunden, ein fremder Mann in den DiaPause Kammern aufgewacht. Wenig später, unmittelbar vor der Landung auf OLA, spitzt sich die Situation durch die Recherchen der Chronisten zu: die Situation droht zu eskalieren, ein Skandal bedroht das Zusammenleben an Bord und so manches gäbe es zu aufzuklären. Dann TUSKS Entschluss, sein Kommando als erstes Raumschiff der Flotte auszugeben, welches den zukünftigen Heimatplaneten erreicht hat. Schritt um Schritt erweitert TUSK das Lügengebilde zu einem Mythos der Entstehung der Zivilisation. Allein, in der Geschichte fehlt es an transparent gemachter Motivation des anonymen Kommandanten. Aus dem Nichts ist er im Roman aufgetaucht, als Nebenfigur, die schon bald wieder hätte im Nichts verschwinden sollen. Er wuchs mit der aufgetischten Lüge über sich selbst hinaus, muss also erst das Potential entwickeln, das ihn antreibt und begründet. Das ist die künftige Aufgabe des Autors.</p>

<p>Was also vermag einen Kommandanten zu derartig gefährlichem Schwindel antreiben? Eine Möglichkeit bestünde darin, die Sucht nach Ruhm, Geltung und Macht eines Mannes zu befriedigen, welcher mit dem Auftrag der Wirtschaft, der Milliardäre einer aussterbenden Rasse, auf den Weg gebracht wurde, um, wo auch immer, die Interessen eines Kapitalismus durchzusetzen, der auf Erden als seine Existenzgrundlage verloren hat. Denn auch das Kapital geht am Mangel an Ressourcen zugrunde. Ein solches Szenario setzt vom Plot her zweierlei voraus: 1. Die Charakterstruktur von TUSK auch im Vorfeld des bisher Erzählten genauer zu beschreiben; 2. Die Janusköpfigigkeit der Expedition von Earthseed zu beschreiben: Aufbruch in eine neue Zivilisation zu sein und gleichzeitig die Suche für eine neue Akkumulation von Rohstoffen zu sein. Auch diese beiden Handlungsstränge müssten noch erzählt werden. Beide Vorhaben scheitern aber zwangsläufig, das Szenario führt uns nämlich in ein neues Dilemma: Denn die Erde geht zugrunde, ist wohl auch zu weit weg, um Absatzgebiet der gewonnenen Rohstoffe zu sein. Und als Zivilisation ist Earthseed zu schwach, zu bevölkerungsarm, zu bedeutungslos, um eine funktionierende Wirtschaft aufbauen zu können.</p>

<p>Ein anderer Weg, die Handlungen des plötzlich für die Handlung des mit einem Mal so wichtigen Kommandanten zu erklären, läge wohl in den Logiken einer Zivilisation begründet, die sich ihren eigenen Mythos der Entstehung schaffen muss, koste es, was es wolle. Der Zwang erfolgreich zu sein, zum Wohle der Menschheit, das ist ein “geheimer” Auftrag, dem alle Kommandanten und Politiker:innen folgen: ein Verhalten, in dem bereits die Erosion von Earthseed angelegt wäre. Es ist etwas, was die Führungskaste der Zivilisation vertritt, im Zwang, erfolgreich zu sein. Am Kommandanten also spiegelt sich das fragwürdige Verhalten einer heilsgeschichtlich motivierten Kaste, die sich verzweifelt an die Ideologie ihrer Gründermutter fesselt. Moral verkommt im Gerede von “Wandel” und “Zukunft in den Sternen” zu billiger Münze. Allerdings: Hat sich das Earthseed der Octavia E. Butler verdient, dass so mit ihm abgerechnet wird? Wie jede Religion ist auch Butlers Konzept von Earthseed in jedem Fall kritikwürdig; es jedoch derart erodieren zu lassen, wie ich es beabsichtige, steht aber auf einem anderen Blatt.</p>

<p>Kann man, was nun die dritte Möglichkeit der Darstellung ist, die Handlungen des Kommandanten allein psychologisch begründen, ihm ähnlich wie Odo eine psychopathologische Ursache zugrunde legen? Während Odo in einer Art religiösen Wahn befangen ist, könnte sich Kommandeur TUSK in die Rolle eines Grössenwahnsinnigen hineinbegeben, der mit körperlichen und psychischen Defekten als Folgen der DiaPause zu kämpfen hat. Dann aber, müsste dies auch im Vorfeld der Ereignisse so angelegt werden und von TUSKS Perspektive her geschildert werden: Was spürt er nach dem Erwachen, wie stellen sich ihm die Ereignisse das dar, wie entgleitet ihm die Kontrolle? Ein Effekt der Diapause wäre es, dass moralisch – ethische Grundsätze des Menschen zerstört werden und Effekte auftreten, wie sie bei Psychopaten (siehe HPH) beobachtbar sind. Der gesamte Roman würde dann immer mehr in die Nähe eines Romans über die möglichen Folgen der DIAPAUSE gerückt werden, auch wenn man die Logik der Suche nach Serdan im zweiten grossen Handlungsstrang berücksichtigt.</p>

<p>Nun sei auch noch eine vierte Möglichkeit aufgezählt: Eine Kombination aus allen drei Erzählsträngen, mit dem Angebot an die Leser:innen, sich aussuchen zu können, was ihnen am Logischsten erscheinen mag. Auch das besässe eine gewisse Logik: den Motivationslagen setzen sich immer aus unterschiedlichsten Begründungszusammenhängen zusammen.</p>

<p><a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Allaine"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Schreibarbeit"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Figurenkabinett"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/die-lugen-von-tusk</guid>
      <pubDate>Fri, 16 Dec 2022 07:27:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>071 Figurenkabinett 04: Allaine</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/allaine-ist-nach-dem-vorbild-einer-schutzmantel-madonna-konstruiert-stellt?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Allaine ist nach dem Vorbild einer Schutzmantel-Madonna konstruiert, stellt also eine spirituelle, im Kontext des Romans aber nicht christlich interpretierte nichtmaterielle &#34;Erscheinung&#34; dar. Angelehnt ist sie an die mittelalterliche Bedeutung des &#34;unter den Mantel Nehmens&#34; einer Person, die des Schutzes bedarf. Wer sich unter dem Mantel einer Hohen Frau befindet, geniesst Immunität vor weltlicher Verfolgung. &#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Gleichzeitig können so uneheliche Kinder während einer Trauung adoptiert werden. Gleichzeitig ist der:die Beschützte wiederum der Verfügung durch die Schutzgewährenden ausgeliefert. Allaine ist im Grunde eine solche Schutzmantel-Madonna, wird aber nie so genannt oder interpretiert. Insgesamt ist sie von grosser Bedeutung für eine der drei zentralen Figuren des Romans. Ihre Macht wird immer wieder in der Handlung spürbar, sie erklären zu wollen, ist aber kein zentrales Anliegen des Romans.&#xA;&#xA;Allaine &#34;erlöst&#34; Odo nicht einfach aus dem in sich geschlossenen System der Emanation, sondern zeigt ihm, quasi als Gegenbild, die Welt hinter den Spiegeln; sie geleitet ihn danach auf das Narrenschiff, das den See des Bewusstseins überquert und dabei untergeht. Odo aber überlebt. In einer noch unbestimmten Handlung wird sie ihn auf das dritte Expeditionsschiff nach Alpha Centauri versetzen, wo er aber aus der DiaPause erwacht und Zeuge krimineller Machenschaften wird. Ebenso mit rationalen Mitteln unerklärlich ist die Platzierung Odos auf einer Raumstation in der Zukunft, wo er von Lore Olamino aufgefunden wird. Ist Allaine gar so etwas wie eine Anomalie des Weltraums, welche das Verhältnis von Raum und Zeit verändert? Das würde für einen SciFi Roman gut passen, Allaine&#39;s Bedeutung geht aber weit über diese Erklärung hinaus. Sie ist nicht bloss physikalische Anomalie sondern metaphysisches Erklärungsmodell.&#xA;&#xA;Allaine vertritt einen absoluten Geltungsanspruch im Leben Odos. Denn sie &#34;übergibt&#34; den auf einer Raumstation Aufgefundenen an Lore Olamino. Allaine verwandelt sich quasi in sie, gibt ihr die Macht, Odo weiter in die Zukunft zu führen, wirkt nun in der anderen Frau. Nie wird sie bei all diesen Handlungen von anderen beobachtet, ihre Bedeutung und visuelle Präsenz besitzt sie nur für ihren Schützling, den anderen Personen der Handlung ist sie gänzlich unbekannt. Als unerklärliches Phänomen im Weltraum wird sie allerhöchstens betrachtet, ohne weiter nachzufragen. Unerklärliches ist &#34;normal&#34; da draussen im Universum, etwas mit dem man rechnen muss. Denn viel Unerklärliches darf geschehen im Erzählraum der Science Fiction. Nachdem sich Lore entschlossen hat, vom Rand der Galaxy wieder nach OLA zurückzukehren, erscheint Allaine erneut, um ihren Schützling in die Unendlichkeit des Weltraums hinauszugeleiten. Sie wird, auf einmal ist das deutlich erkennbar, zum Todesengel.&#xA;&#xA;Während also Allaine beschützt und leitet, fordert sie vom Beschützten ihren Tribut. Sie verführt und manipuliert, formt aus dem Opfer einer kalten Welt eine glühende und unabdingbare Gefolgschaft. Allaine hilft, Grenzen zu überschreiten, fordert geradezu dazu auf, dem Fremden, Anderen zu folgen ohne Vorsicht, ohne Vorbehalt. Aber Grenzüberschreitung war immer schon von Gefährdung begleitet: was zunächst als lohnend erscheint für persönliches Erleben, intensives Fühlen und erhöhtem Verständnis, verwandelt sich zum Leiden an sich selbst, zur Selbstaufgabe an ein höheres und nicht sichtbares Ziel. Das sind die beiden Pole des Lebens immer schon gewesen. ???? Nichts kostet nichts.&#xA;&#xA;Allaine führt in die Zukunft. Im Gegensatz zur Emanation verkörpert sie das Leben, vielleicht auch Entwicklung zum Besseren. Deshalb ist auch viel Weihevolles an ihr, fast wie eine griechische Göttin erscheint sie. Dieses Weihevolle gilt es, im Roman zu zelebrieren ohne in Peinlichkeit abzurutschen und ohne das Oeuvre der Science Fiction zu sprengen. Allaine beschreibt die Gegenwelt zur Kälte und Einsamkeit der Emanation, aber auch zum Schweigen des Universums. Denn nichts &#34;hört&#34; man in den galaktischen Welten als den Puls des eigenen, kleinen Lebens. Kein Laut draussen, Stille überall.&#xA;&#xA;Wie also Allaine&#39;s Wirken zusammenfassen? Sie ist eine in Odo wirkende Erscheinung, die ihn beschützt, leitet und in seinen Tod führt. Sie entbehrt der Gegenständlichkeit, ist Anomalie und Sehnsucht zugleich. Würde man sie als Teil des Schicksals bezeichnen wollen, ist sie eine der drei Schicksalsgöttinnen? Immerhin entzieht sie Odo seiner Entscheidungsfreiheit zur Gänze.&#xA;&#xA;Letztlich: Wir finden Allaine auch in den Zorya, den Licht- und Himmelsgöttinnen aus dem slawischen Mythenkreis. In dreierlei Gestalt stellt sie sich als Morgenstern, Abendstern und Mitternachtsstern dar. Sie öffnen und schliessen die Himmelspforte und wachen so über das Licht. Diesen Dreischritt möchte ich auch in meinem Roman in geeigneter Form versuchen: das muss sich allerdings erst entwickeln.&#xA;&#xA;#Allaine #Schreibarbeit #Figurenkabinett]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Allaine ist nach dem Vorbild einer Schutzmantel-Madonna konstruiert, stellt also eine spirituelle, im Kontext des Romans aber nicht christlich interpretierte nichtmaterielle “Erscheinung” dar. Angelehnt ist sie an die mittelalterliche Bedeutung des “unter den Mantel Nehmens” einer Person, die des Schutzes bedarf. Wer sich unter dem Mantel einer Hohen Frau befindet, geniesst Immunität vor weltlicher Verfolgung.</p>



<p>Gleichzeitig können so uneheliche Kinder während einer Trauung adoptiert werden. Gleichzeitig ist der:die Beschützte wiederum der Verfügung durch die Schutzgewährenden ausgeliefert. Allaine ist im Grunde eine solche Schutzmantel-Madonna, wird aber nie so genannt oder interpretiert. Insgesamt ist sie von grosser Bedeutung für eine der drei zentralen Figuren des Romans. Ihre Macht wird immer wieder in der Handlung spürbar, sie erklären zu wollen, ist aber kein zentrales Anliegen des Romans.</p>

<p>Allaine “erlöst” Odo nicht einfach aus dem in sich geschlossenen System der Emanation, sondern zeigt ihm, quasi als Gegenbild, die Welt hinter den Spiegeln; sie geleitet ihn danach auf das Narrenschiff, das den See des Bewusstseins überquert und dabei untergeht. Odo aber überlebt. In einer noch unbestimmten Handlung wird sie ihn auf das dritte Expeditionsschiff nach Alpha Centauri versetzen, wo er aber aus der DiaPause erwacht und Zeuge krimineller Machenschaften wird. Ebenso mit rationalen Mitteln unerklärlich ist die Platzierung Odos auf einer Raumstation in der Zukunft, wo er von Lore Olamino aufgefunden wird. Ist Allaine gar so etwas wie eine Anomalie des Weltraums, welche das Verhältnis von Raum und Zeit verändert? Das würde für einen SciFi Roman gut passen, Allaine&#39;s Bedeutung geht aber weit über diese Erklärung hinaus. Sie ist nicht bloss physikalische Anomalie sondern metaphysisches Erklärungsmodell.</p>

<p>Allaine vertritt einen absoluten Geltungsanspruch im Leben Odos. Denn sie “übergibt” den auf einer Raumstation Aufgefundenen an Lore Olamino. Allaine verwandelt sich quasi in sie, gibt ihr die Macht, Odo weiter in die Zukunft zu führen, wirkt nun in der anderen Frau. Nie wird sie bei all diesen Handlungen von anderen beobachtet, ihre Bedeutung und visuelle Präsenz besitzt sie nur für ihren Schützling, den anderen Personen der Handlung ist sie gänzlich unbekannt. Als unerklärliches Phänomen im Weltraum wird sie allerhöchstens betrachtet, ohne weiter nachzufragen. Unerklärliches ist “normal” da draussen im Universum, etwas mit dem man rechnen muss. Denn viel Unerklärliches darf geschehen im Erzählraum der Science Fiction. Nachdem sich Lore entschlossen hat, vom Rand der Galaxy wieder nach OLA zurückzukehren, erscheint Allaine erneut, um ihren Schützling in die Unendlichkeit des Weltraums hinauszugeleiten. Sie wird, auf einmal ist das deutlich erkennbar, zum Todesengel.</p>

<p>Während also Allaine beschützt und leitet, fordert sie vom Beschützten ihren Tribut. Sie verführt und manipuliert, formt aus dem Opfer einer kalten Welt eine glühende und unabdingbare Gefolgschaft. Allaine hilft, Grenzen zu überschreiten, fordert geradezu dazu auf, dem Fremden, Anderen zu folgen ohne Vorsicht, ohne Vorbehalt. Aber Grenzüberschreitung war immer schon von Gefährdung begleitet: was zunächst als lohnend erscheint für persönliches Erleben, intensives Fühlen und erhöhtem Verständnis, verwandelt sich zum Leiden an sich selbst, zur Selbstaufgabe an ein höheres und nicht sichtbares Ziel. Das sind die beiden Pole des Lebens immer schon gewesen. ???? Nichts kostet nichts.</p>

<p>Allaine führt in die Zukunft. Im Gegensatz zur Emanation verkörpert sie das Leben, vielleicht auch Entwicklung zum Besseren. Deshalb ist auch viel Weihevolles an ihr, fast wie eine griechische Göttin erscheint sie. Dieses Weihevolle gilt es, im Roman zu zelebrieren ohne in Peinlichkeit abzurutschen und ohne das Oeuvre der Science Fiction zu sprengen. Allaine beschreibt die Gegenwelt zur Kälte und Einsamkeit der Emanation, aber auch zum Schweigen des Universums. Denn nichts “hört” man in den galaktischen Welten als den Puls des eigenen, kleinen Lebens. Kein Laut draussen, Stille überall.</p>

<p>Wie also Allaine&#39;s Wirken zusammenfassen? Sie ist eine in Odo wirkende Erscheinung, die ihn beschützt, leitet und in seinen Tod führt. Sie entbehrt der Gegenständlichkeit, ist Anomalie und Sehnsucht zugleich. Würde man sie als Teil des Schicksals bezeichnen wollen, ist sie eine der drei Schicksalsgöttinnen? Immerhin entzieht sie Odo seiner Entscheidungsfreiheit zur Gänze.</p>

<p>Letztlich: Wir finden Allaine auch in den Zorya, den Licht- und Himmelsgöttinnen aus dem slawischen Mythenkreis. In dreierlei Gestalt stellt sie sich als Morgenstern, Abendstern und Mitternachtsstern dar. Sie öffnen und schliessen die Himmelspforte und wachen so über das Licht. Diesen Dreischritt möchte ich auch in meinem Roman in geeigneter Form versuchen: das muss sich allerdings erst entwickeln.</p>

<p><a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Allaine"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Allaine" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Allaine</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Schreibarbeit"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Schreibarbeit" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Schreibarbeit</span></a></a> <a href="https://write.as/zettelwerk/tag:Figurenkabinett"><a href="https://zettelwerk.writeas.com/tag:Figurenkabinett" class="hashtag"><span>#</span><span class="p-category">Figurenkabinett</span></a></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://zettelwerk.writeas.com/allaine-ist-nach-dem-vorbild-einer-schutzmantel-madonna-konstruiert-stellt</guid>
      <pubDate>Mon, 12 Dec 2022 17:17:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>070 Figurenkabinett 03: Odo</title>
      <link>https://zettelwerk.writeas.com/odo-spirituell-veranlagte-personlichkeit-die-in-der-stille-einer-zivilisation?pk_campaign=rss-feed</link>
      <description>&lt;![CDATA[Odo: Spirituell veranlagte Persönlichkeit, die in der Stille einer Zivilisation lebt, die als Emanation bezeichnet wird. Wir schreiben 2115 auf der Erde, als wir ihm das erste Mal begegnen, in einer Zeit, in der die Wälder längst aufgehört haben, zu existieren und das Summen der Emanation allgegenwärtig geworden ist. In einer Agglomeration am Rande zum Chaos